Im Kampf der Musikindustrie gegen Online-Piraterie ist mit den beiden Websites Listen4ever und 21stCenturyMP3 eine neue Front entstanden. Die beiden Portale bieten vollständige Musikalben von bekannten Künstlern wie Linkin Park, R. Kelly, Def Leppard und Bruce Springsteen zum kostenlosen Download an, berichtet die LA Times am Freitag. Das neue demnächst erscheinende Springsteen-Album "The Rising" ist beispielsweise Song für Song vollständig erhältlich. Schritte der Musikindustrie gegen die beiden Websites sind bisher aber ausgeblieben.

Ein Geschäftsmodell

Im Gegensatz zu Online-Musikbörsen wie KazaA und LimeWire, wo einzelne User Tauschhandel mit Songs betreiben, handelt es sich bei diesen Portalen um ein Geschäftsmodell, das klassische CD-Piraterie nutzt, um mit Online-Werbung Geld zu machen. Die Seiten verdienen durch Banner- und Pop-Up-Werbung für eine breite Palette von Unternehmen. Um den benötigten Traffic für ihre Portale zu schaffen, nutzen die Betreiber die Beliebtheit von Musik-Downloads im Web. Das Gratisangebot von vollständigen CDs sorgt offensichtlich für einen regen Zustrom von Usern alleine durch Mundpropaganda, ohne dass die Portale Werbung dafür machen. Das Repertoire der Portale beruht aber nicht auf den privaten Archiven einzelner User, sondern auf der organisierten Raubkopie von CDs.

Keinerlei Schritte eingeleitet

Während die RIAA in den USA Tauschbörsen mit kostspieligen Gerichtsverfahren in die Knie zwingt, hatten die beiden Websites bisher keine Probleme mit der Lobby der Musikindustrie. Laut LA Times hat die RIAA keinerlei Schritte gegen Listen4ever und ähnliche Seiten eingeleitet. Listen4ever wird demnach von einem Provider in Peking unterstützt und ist auch durch eine chinesische Firma registriert. "Ich bin überrascht, dass diese Seiten noch nicht geklagt wurden", sagte P. J. McNealy, Analyst bei GartnerG2. Er hält es nur für eine Frage der Zeit bis die Industrie auf diese Portale aufmerksam wird. Damit sei zwar schnelles Geld zu verdienen, für die Zukunft derartiger Websites sieht McNealy jedoch schwarz, weil ihr Geschäftsmodell eindeutig auf geistigem Eigentum Dritter beruht.

100 Millionen illegale Musikkopien

Die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), die internationale Version der RIAA, zählt weltweit 200.000 Websites, die freien Zugang zu geschätzten 100 Mio. illegalen Musikkopien anbieten. Im vergangenen Jahr wurden 28.000 derartige Seiten mit 5,6 Mio. Musikdateien im Angebot stillgelegt. Ein Sieg im Kampf gegen Piratenseiten ist angesichts immer neuer Angebote nicht in Sicht. (pte)