Berlin/Wien - Wer glaubt, dass Österreichs Schwimmer braun gebrannt von der EM in Berlin zurückkehren werden, der irrt. August hin oder her, die am Montag beginnenden Bewerbe auf der 50-m-Bahn finden indoor statt, sicher ist sicher, schließlich kann's auch im Sommer stürmen oder regnen. Wer freilich glaubt, dass die Mannschaft mit Erfolgen heimkehren wird, der könnte Recht haben. Noch nie hat der Verband (VÖS) ein derart hoffnungsvolles Team geschickt, gleich mehrere Aktive rechnen sich Medaillenchancen aus. Selbst der ORF trägt Rechnung, überträgt alle Bewerbe täglich live auf TW1 und bringt auf ORF 1 ab 19 Uhr die Highlights.

Die EM könnte durchaus historisch werden, bis dato haben VÖS-Schwimmer auf der Langbahn erst drei EM-Bronzene gewonnen, Maxim Podoprigora beendete vor zwei Jahren die lange Durststrecke nach Fritzi Löwy und Herta Bienenfeld (jeweils 1927). Erfolgreicher waren die Wasserspringer, solo sorgte Kurt Mrkwicka 1962 für die letzte EM-Goldene, Niki Staj-kovic checkte 1987 Silber, Anja Richter-Libiseller und Marion Reiff sprangen 1997 synchron vom Turm zu Bronze. Richter-Libiseller, die nach einem Handbruch mit einer Spezialmanschette springt, und Reiff zählen auch heuer zu den Hoffnungsträgern.

Am Freitag präsentierte sich die Mannschaft im Wiener Gasometer, Samstag, flog sie ab. Der Reihe nach gaben alle Aktiven an, sie wollten "österreichischen Rekord" oder "zumindest persönliche Bestzeit" erzielen. Maxim Podoprigora und Markus Rogan, die bei der WM 2001 jeweils Silber geholt hatten, hielten sich nicht eben zurück. Podoprigora: "Wenn man bedenkt, wie klein Österreich im Vergleich ist, dann haben wir eine bessere Mannschaft als Deutschland." Rogan: "Ich fühl mich gut. Die anderen sollten Angst haben."

Neben Rückenschwimmer Rogan und Brustschwimmerin Mirna Jukic, die heuer über 200 Meter die schnellsten Zeiten aller EM-Teilnehmer zu Buche stehen haben, rechnen sich Podoprigora, Judith Draxler und Petra Zahrl Chancen auf eine Medaille aus. Draxler (32) ist jahrelang die Einzige gewesen, die für Finalplätze sorgte, eine Medaille aber fehlt ihr noch. Die 50 Meter kraulten heuer nur drei EM-Gegnerinnen schneller als Draxler, die ihren erst vor zwei Wochen bei den steirischen Meisterschaften aufgestellten Rekord (25,54) weiter verbessern will. Draxler: "Erst schau' ich, dass ich ins Finale komm', dann schau' ich weiter."

Das Schwimmen in einer starken Mannschaft mache jedenfalls Spaß, sagt die Feldbacherin. Ob sie, die ihre achte Langbahn-EM bestreitet, damit auch international an der Spitze liegt, interessiert sie nicht. "Dieser Rekord ist mir nicht wichtig."

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 27./28.7. 2002)