Den Haag - Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat am Freitag der frühere Chef des serbischen Geheimdienstes wichtige Angaben des angeklagten jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic über den Konflikt im Kosovo 1999 bestätigt. Radomir Markovic, der als Zeuge der Anklage geladen war, unterstützte den Angeklagten insbesondere in dessen Darstellung terroristischer Aktivitäten von Mitgliedern der so genannten Kosovo-Befreiungsarmee (UCK). Die albanische Bevölkerung in zahlreichen Dörfern habe die serbischen Behörden um Hilfe gegen UCK-Angreifer gebeten, sagte er. Im bisherigen Verlauf des Prozesses haben vor allem ethnische Albaner als Zeugen diese von Milosevic häufig vorgebrachte Version bestritten. Sie bezichtigten stattdessen serbische Polizisten und Soldaten schwerer Grausamkeiten gegen die überwiegend albanische Zivilbevölkerung des Kosovo. Auch ausländische Beobachter bestätigten als Zeugen die Darstellungen der Tribunals-Ankläger über Morde und Vertreibungen von Zivilisten durch serbische Sicherheitskräfte. Der Anklage zufolge sind die Verbrechen unter dem Befehl von Milosevic begangen worden. Anschlag auf Vuk Draskovic Markovic, der zu seiner Aussage aus der Untersuchungshaft in Belgrad überstellt worden war, berichtete ebenso wie Milosevic von strikten Anordnungen an Polizei und Militär, Zivilisten zu schonen. Alle Unbewaffneten sollten danach gut behandelt werden. Wenn es Hinweise auf Übergriffe geben sollte, sollten die von Milosevic untersucht werden, sagte er unter Hinweis auf entsprechende Anordnungen. Markovic ist in Jugoslawien angeklagt, im Herbst 1999 einen Anschlag auf den serbischen Oppositionspolitiker Vuk Draskovic organisiert zu haben. Damals starben vier Draskovic-Mitarbeiter. Markovic wehrte sich in Den Haag auch gegen die Behauptungen der Anklage, dass Belgrad die Beseitigung aller Spuren von Verbrechen im Kosovo gefordert habe. Er stimmte Milosevic zu, als dieser von Aufräumarbeiten sprach, mit denen etwa Minen und anderes Kriegsmaterial beseitigt werden sollte. Der Prozess gegen Milosevic, der am 12. Februar begonnen hat, ist am Freitag für die Sommerpause bis zum 26. August unterbrochen worden. Dann erhält die Anklage noch zwei Wochen lang Gelegenheit, Zeugen und Beweismittel zu Vorwürfen aus dem Kosovo-Konflikt vorzubringen. Danach kann sich Milosevic auf die weiteren Anklagen wegen Verbrechen in Kroatien und Bosnien (1991 bis 1995) vorbereiten. Am 30. September sollen die Ankläger zusammenfassend erläutern, was sie dem Angeklagten aus diesen Konflikten zur Last legen. Bis Mai nächsten Jahres können sie nach dem bisherigen Plan dazu Zeugen und Beweise präsentieren. Danach erhält Milosevic Gelegenheit, seine Darstellung der Vorgänge einzeln zu belegen. (APA/dpa)