Wien - Der 26. Juli ist für die Telekom Austria (TA) offenbar so etwas wie der 26. Oktober für Österreich: Gefeiert wurde eine Art telekommunikativer Nationalfeiertag, denn mit Filippo Porcacchia habe der "letzte italienische Besatzungssoldat" die rot-weiß-rote Telekom Austria verlassen, ätzten Mitarbeiter am Freitag.Wie berichtet, hält Telecom Italia (TI) zwar immer noch 29,8 Prozent an der TA, Ende Juni verloren die rückzugswilligen Italiener allerdings das im Syndikatsvertrag verbriefte Recht, bestimmte Positionen in der TA zu besetzen. Einzige prominente Ausnahme ist Finanzvorstand Stefano Colombo, der sich im österreich-italienischen Scheidungsverfahren für die TA entschieden hat. Grasser sorgt für Verstimmung Die Freude währte nur kurz, denn Finanzminister Karl-Heinz Grasser sorgte für Verstimmung: Er unterstütze den Rechnungshof in seinen Bemühungen, die TA wegen der Frühpensionswelle zu überprüfen: "Transparenz kann uns nur allen ein Anliegen sein." Da der Bund 47,2 Prozent an der TA halte, handle es sich um einen bestimmenden Einfluss. Grasser forderte die TA auf, mit dem Rechnungshof zu kooperieren. Rechtsexperten bestreiten dies und führen ein prominentes Beispiel an: die OMV. Für den Mineralölkonzern, an dem die Republik über die ÖIAG 35 Prozent hält, habe sich der Rechnungshof mit der Begründung, der Bund halte weniger als 50 Prozent, sogar selbst für unzuständig erklärt. Außerdem verfüge mit IPIC auch ein ausländischer Aktionär über maßgeblichen Einfluss. Die Parallelen zur Telekom seien klar. Die ÖIAG will gegen den Rechnungshof kämpfen, wenn es sein muss, beim Verfassungsgerichtshof. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 27.7.2002)