München - Ein generelles Verbot von gewaltverherrlichenden Filmen und PC-Spielen sowie eine schärfere Kontrolle des Jugendschutzes haben Wissenschafter auf einem Medienkongress in München gefordert. Dazu müsse der Rundfunkstaatsvertrag in Deutschland entsprechend geändert werden, heißt es in einer am Donnerstagabend verabschiedeten Resolution."Schon jetzt zeigt sich, dass Erfurt bald vergessen sein wird und die Medienindustrie ihr Geschäft wie bisher treibt", kritisierten die Teilnehmer des Kongresses zum Thema "Medienwirkung - Handeln statt resignieren". "Latent gewaltbereit" Sie bezogen sich dabei auf die Schießerei im Erfurter Gutenberg-Gymnasium im April, bei der ein 19-Jähriger mit Vorliebe für Gewaltvideos 16 Menschen und sich selber tötete. Der Fall hatte nur kurzfristig für Diskussionen über Gewalt in den Medien gesorgt. Die Hauptwirkung von Mediengewalt bestehe im Aufbau von latenter Gewaltbereitschaft, hieß es. Eine emotionale Desensibilisierung und Lust an Gewalt würden den Jugendlichen durch den Konsum von Mediengewalt und durch Computerspiele beigebracht. Die wissenschaftlichen Fakten müssten in den notwendigen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, betonten die Teilnehmer der Tagung. Experten zufolge ist im Fernsehen auch der Trend zur Vermischung von Fakten und Fiktionen beim so genannten Infotainment (zum Beispiel Dokumentations-Spielserien) für die "Veralltäglichung von Gewalt relevant". "Die Wirkungen von Mediengewalt geschehen im Kontext von Gewalt in der Familie, im Freundeskreis und in der Schule sowie im Rahmen gesellschaftlicher Verhältnisse", sagten die Psychologen und Pädagogen. Mediengewaltwirkungen einzuschränken oder zu verhindern, bedeute, eine Ursache von Gewalt für viele Kinder und Jugendliche zu beseitigen. (DER STANDARD, Printausgabe 27./28.07.2002)