New York - Der prominente deutsch-amerikanische Ökonom Rudi Dornbusch, Professor für Volkswirtschaftslehre und Internationales Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist am Donnerstag im Alter von 60 Jahren an Krebs gestorben, wie am Freitag bekannt wurde. Dornbusch, der am 8. Juni 1942 in Krefeld geboren wurde, studierte in Genf und promovierte 1971 an der Universität Chicago in Volkswirtschaft. Er war Inhaber einer Ford-Professor am MIT und Verfasser zahlreicher Bücher - auch für den Lehrbetrieb - über Makroökonomie und Außenwirtschaft. Zudem gehörte er dem Beratergremium der regionalen Federal Reserve Banken von New York und Boston an und forschte im Auftrag des National Bureau of Economic Research (NBER). "Überschießende Wechselkurse" Zu den bekanntesten Forschungsarbeiten Dornbuschs gehört der Aufsatz "Expectations and Exchange Rate Dynamics", der im Jahr 1976 veröffentlicht wurde. Das darin beschriebene Modell zur Theorie "überschießender" Wechselkurse gilt als Anstoß für radikale Veränderungen in der Theorie internationaler Makroökonomie. Dornbusch zeigte mit seinem dynamischen Modell, dass geldpolitische Schocks auf Grund temporär starrer Güterpreise kurzfristig stärkere Wechselkursveränderungen zur Folge haben als auf lange Sicht. Wenngleich das Modell empirisch nicht unbedingt bestätigt werden konnte, fand die in diesem Modell angewandte dynamische Methotik weltweite Anerkennung und prägte im weiteren die theoretische Entwicklung der Makroökonomie. Kenneth Rogoff, Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), bezeichnete den Aufsatz als "einflussreichste Schrift auf dem Gebiet der Makroökonomie seit dem Zweiten Weltkrieg". Neues Zeitalter Paul Krugman, einflussreicher Princeton-Ökonom, sagte am Freitag, dass es Dornbusch gewesen sei, der die Volkswirtschaftslehre in ein neues Zeitalter geführt habe, vor allem, weil er der einer der ersten gewesen sei, die sich ernsthaft mit internationaler Makroökonomie beschäftigt hätten. Auch habe Dornbusch als einer der ersten Ökonomen den Wechselkurs in seinen Modellen als Preis für einen Vermögenswert dargestellt. Kritiker Dornbusch war jedoch nicht nur für seine theoretische Arbeit bekannt, sondern hat auch immer wieder zu aktuellen wirtschaftspolitischen Fragen Stellung bezogen. So kritisierte er 1998 den Internationalen Währungsfonds (IWF) für dessen Unterstützung Brasiliens, das am Rande einer Krise stand. Anfang des Jahres kritisierte er zudem die Demokratische Partei für ihr Widerstreben, das nach den Terroranschlägen vom 11. September geschnürte Konjunkturpaket von US-Präsident Bush zu billigen. (APA/vwd)