Lübeck - Mit der Überwärmung des Körpers und einer kombinierten Chemotherapie haben Wissenschaftler der Universität Lübeck erstmals Patienten mit asbestbedingten Lungenfellkrebs Erfolg versprechend behandelt. "76 Prozent der Patienten haben von der neuen Therapie profitiert", sagte die Studienleiterin Afsaneh Bakhshandeh-Bath von der Uniklinik Lübeck. Die 25 behandelten Krebskranken hätten Lebenszeit und Lebensqualität gewonnen, seien belastbarer gewesen und hätten weniger Schmerzen gehabt. Bisher gebe es jedoch keine Therapie, die den asbestbedingten Lungenfellkrebs, das so genannte Pleuramesotheliom, heilen könne. Die Überwärmung des Körpers auf 41,8 Grad über eine Stunde führt nach Angaben der Medizinerin dazu, dass der Stoffwechsel in den Tumorzellen besonders angeregt wird. Die Krebszelle werde so für die Chemotherapie besonders empfänglich. Die Arzneimittel wirkten vier- bis sechs Mal stärker als ohne die Erwärmung des Körpers, die so genannte Hyperthermie. Bei fünf der Studienteilnehmer hatte sich der Tumor um mehr als die Hälfte verringert, bei weiteren drei um mehr als ein Viertel. Nur sechs Patienten sprachen überhaupt nicht auf die Therapie an. Berufskrankheit Bei dem asbestbedingten Lungenfellkrebs wächst nach Angaben der Wissenschaftlerin der Tumor rund um den Brustkasten und schnürt dem Patienten sehr schnell die Luft ab. Die Tumorform sei die mit Abstand häufigste beruflich bedingte Krebserkrankung. Eingeatmete Asbestteilchen könnten den Tumor auslösen. Betroffen seien vor allem Werftarbeiter. In Deutschland erkranken jährlich rund 1.300 Menschen neu daran. "Zwar gibt es bereits seit 1993 ein Verwendungsverbot von Asbest, doch auf Grund des langen Zeitraums von 20 bis 30 Jahren, die vom Asbestkontakt bis zur Krebsentstehung vergehen, rechnen wir mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Patientenzahlen", sagte Bakhshandeh-Bath. (APA/AP)