Teheran - Ein iranisches Revolutionsgericht hat am Samstag eine traditionsreiche liberale Partei, die oppositionelle "Freiheitsbewegung", für aufgelöst erklärt. Dies meldete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA. Die Freiheitsbewegung, die den Chef der ersten iranischen Regierung nach der islamischen Revolution 1979, den verstorbenen Mehdi Bazargan, stellte, wurde mit allen angeschlossenen Gruppen und Organisationen für illegal erklärt. 33 Parteimitglieder erhielten Freiheitsstrafen zwischen vier Monaten und zehn Jahren. Ihre Namen nannte die Agentur nicht. Acht Angeklagte erhielten Geldstrafen, und 21 Parteimitgliedern wurde jegliche politische Betätigung für die nächsten zehn Jahre untersagt. Die Beschuldigungen lauteten auf Gefährdung der nationalen Sicherheit, Vorbereitungen zum Sturz des islamischen Systems, Kontakte mit Ausländern und Sammeln geheimer Informationen. Über 50 Mitglieder der Freiheitsbewegung und angeschlossener Organisationen waren im März 2001 verhaftet worden. Parteichef ist der 70-jährige Ibrahim Yazdi , Nachfolger des 1992 verstorbenen Bazargan. Yazdi war im April nach einer Krebsbehandlung aus den USA zurückgekehrt. Unklar blieb, ob er unter den zu Haftstrafen Verurteilten ist. Vor wenigen Tagen war die reformorientierte iranische Zeitung "Noruz" verboten und ihr Herausgeber Mohsen Mirdamadi nach Aufhebung seiner Immunität als Parlamentsmitglied zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Die iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran), die direkt dem obersten geistlichen Führer Ayatollah Ali Khamenei unterstehen, haben die gegenwärtige Massenmobilisierung gegen die Politik der USA zum Anlass einer Offensive gegen die Reformkräfte genommen. In einem Kommunique haben sie zur nationalen Einheit aufgerufen und den Strömungen, die eine Säkularisierung des Staates propagierten, vorgeworfen, "den Amerikanern in die Hände zu spielen". (APA/dpa)