Wien - Kinderbetreuung muss steuerlich absetzbar werden. Dieses Vorhaben will die ÖVP unbedingt realisieren. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Betreuung der Kinder, ist für junge Eltern Thema Nummer eins", sagt ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat im Gespräch. Sie will die BürgermeisterInnen in die Pflicht nehmen, beim Thema Kinderbetreuung wesentlich flexibler zu sein, sich an den Bedürfnissen zu orientieren. Damit könnte jede/r BürgermeisterIn in seiner Gemeinde punkten, er müsste sich dessen nur bewusst werden. "Kinderbetreuung ist Sache der Gemeinden. Meist kennt man einander, weiß um die Erfordernisse, kennt genau die Zeiten, zu denen Kinder betreut werden müssen, kann also Praxis orientiert vorgehen", gibt Rauch-Kallat zu bedenken. "Ich wünsche mir in jeder Gemeinde einen zuständigen Familienreferenten oder einen Bürgermeister, der dieses Problem zu seinem Anliegen macht." Es handle sich dabei keineswegs um ein Randthema, ganz im Gegenteil: "Die Zufriedenheit der Bürger hängt davon ab, wie junge Eltern Beruf und Familienpflichten vereinbaren können". Bedarf an Tagesmüttern In der Frage der steuerlichen Absatzbarkeit will sich Rauch-Kallat auch von der Kritik der Opposition, die lediglich eine Maßnahme für Wohlhabende sieht, nicht abbringen lassen - wenn nicht im Rahmen der bevorstehenden Steuerreform, dann unbedingt bei nächster Möglichkeit. Bereits im Frühjahr hatte die Familiensprecherin der ÖVP, Ridi Steibl, als Summe dafür 727 Euro pro Jahr genannt. Die Kritik von SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer, in Österreich fehlten immer noch 100.000 Kinderbetreuungsplätze, weist Rauch-Kallat entschieden zurück: Betreuungsmöglichkeiten für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren gebe es bundesweit ausreichend, woran es mangle, sei die notwendige Flexibilität, sprich dann offen zu halten, wenn es Mütter bzw. Väter brauchen. Rauch-Kallat: "Erwarte Kreativität von Gemeinden" Der einzige Bedarf, den Rauch-Kallat sieht, liege bei den ganz Kleinen unter drei Jahren: "Und da halte ich Tagesmütter beziehungsweise Kindergruppen für geeigneter. Im ländlichen Bereich funktioniert das sehr gut", berichtet die VP-Politikerin von Aktionen wie "Tagesmutter am Bauernhof", wobei diese Frauen selbstverständlich sozialversichert sein müssen. Den Grund für immer wieder kolportierte Zahlen angeblich fehlender Betreuungsplätze sieht Rauch-Kallat auch darin, dass viele Eltern ihre Kinder gleich bei zwei bis drei Kindergärten anmelden und auf die Warteliste setzen lassen - "damit es bei einem sicher klappt. Dadurch werden aber die gemeldeten Zahlen des Bedarfs viel zu hoch. Die Eltern sollten sich auf zwei Anmeldungen beschränken und das auch gleich bekannt geben", schlägt sie vor. Dann könnte der echte Bedarf ermittelt werden. "Was ich von den Gemeinden erwarte ist Kreativität. Man kann Kindergärten mit Tagesmüttern kombinieren, die von der Gemeinde angestellt werden. Es gibt so viele Möglichkeiten, man muss nur wollen und darüber reden". Ein echtes Problem sieht Rauch-Kallat in einer leistbaren Sommerbetreuung - doch auch diese sei im ländlichen Raum mit ein bisschen gutem Willen zu organisieren. "Wirklich schwierig wird es dabei in der Großstadt. Wien ist nach wie vor für Vollzahler zu teuer", erneuert Rauch-Kallat die Kritik der ÖVP. Prammer: Absetzbarkeit ein Irrweg Die von ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat geforderte steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuung ist für SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer ein "Irrweg". "Mit diesen Steuergeschenken für Wohlhabende wird nur vom dringend nötigen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen abgelenkt", meinte Prammer am Samstag in einer Aussendung. Nach Ansicht Prammers ist die ÖVP-Generalsekretärin auch "am Holzweg", wenn sie den Bedarf an Betreuungsplätzen anzweifle. Die Zahl der cirka 100.000 fehlenden Plätze sei nicht aufgrund der Anmeldungen ermittelt worden, sondern aufgrund der Daten der vorigen Volkszählung berechnet. Das "ständige Verneinen der Notwendigkeit des Ausbaus der Betreuungsplätze" hält Prammer für eine "pure Kopf-in-den-Sand-steck-Mentalität, die an den tatsächlichen frauen- und familienpolitischen Erfordernissen vorbeigeht, dafür aber dem angestammten Klientel der Volkpartei - nämlich den Besserverdienenden - nützt". (APA)