Wien - Die Wiener Umweltstadträtin Isabella Kossina (SPÖ) setzt weiterhin auf "thermische Abfallverwertung" als Mittel der Müllentsorgung. Im APA-Interview sprach sie sich gegen eine Schließung der Anlage am Flötzersteig aus. Die geplante dritte Verbrennungsanlage bei den Entsorgungsbetrieben Simmering muss laut der Stadträtin gemäß den Bundesvorgaben spätestens 2009 fertig sein. Sie soll über eine Kapazität von 250.000 Tonnen pro Jahr verfügen. Die nötigen Investitionen schätzt sie auf 145 bis 218 Millionen Euro. Eine Schließung der Müllverbrennungsanlage (MVA) Flötzersteig stehe nicht zur Debatte, sagte Kossina. Die Anlage sei nach der MVA Spittelau aufgerüstet worden. Bei beiden Anlagen würden die Emissionswerte um ein Zehnfaches unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten liegen. "Doxine vernichten" Generell bekräftigte Kossina, sie setze auf die rasche Umsetzung der Deponieverordnung, die eine Verbrennung notwendig mache. Hinsichtlich der Vorwürfe der Grünen und Bürgerplattformen, die die Schadstoffausstöße kritisieren, gab sie zu bedenken, dass die Verbrennung etwa die im Hausmüll enthaltenen Dioxine großteils vernichte: "Durch die der Müllverbrennung werden keine organischen Schadstoffe erzeugt, sondern durch die Verbrennung wird das Dioxin im Hausmüll zu 99 Prozent zerstört." Über den Standort der geplanten dritten MVA sagte Kossina, derzeit sei das Erweiterungsgebiet der Entsorgungsbetriebe Simmering in Simmering-Mitte im Gespräch. Eine Expertenkommission habe dieses für geeignet befunden: "Um das noch einmal zu verifizieren, schaut man sich das jetzt noch einmal an." Die Anlage müsse jedenfalls eine Kapazität von 250.000 Tonnen verarbeiten können. Das reiche für die nächsten zehn Jahre, "aber nicht für die nächsten zwanzig Jahre." Deponieverordnung und Dosenpfand Bis zum 1. Jänner 2009 müsse die neue MVA spätestens fertig gestellt sein, sagte die Umweltstadträtin. Werde die Anlage allerdings wirklich erst so spät gebaut, käme das teuer. Schließlich trete ab 2004 die Deponieverordnung in Kraft, die eine Ablagerung von unbehandeltem Müll verbiete. Bis die neue MVA in Betrieb sei, müsse daher eine Ausnahmeverordnung geschaffen werden, um die Abfälle lagern zu dürfen. Dafür wiederum fallen aber Strafzölle an, die von Jahr zu Jahr stärker ansteigen, so Kossina. Daher müsse die dritte Anlage so schnell wie möglich gebaut werden. Die Vorbereitungsarbeiten seien bereits im Laufen. Zur Vermeidung sagte die Politikerin, dass die Hausmüllmengen durch den zunehmenden Konsum konstant steigen würden. Man müsse daher verstärkt Aufklärung betreiben, etwa an Schulen. Für kostspielige "Alibi-Aktionen" sei sie jedoch nicht zu haben. Wissenschaftlich sei kein Zusammenhang zwischen eingesetzten Geldern und Verringerung der Abfallmengen erwiesen: "Es gibt keine echte Erfolgskontrolle, dass ich so und so viel Millionen hineinstecke, und das und das herausbekomme." Kossina bekräftigte erneut ihre Forderung nach einem Dosenpfand ähnlich wie in Deutschland und Skandinavien. Um die Konsumenten zum Umdenken zu bewegen, solle auf Dosen und Einweggebinde ein doppelt so hoher Betrag eingehoben werden, wie auf Mehrwegflaschen. Sie sprach sich auch für einen österreichweiten Abfalldatenverbund aus, in dem ,wie jetzt schon in Wien, die anfallenden Müllmengen und deren Behandlungsanlagen erfasst werden sollten. In beiden Punkten warf Kossina Umweltminister Wilhelm Molterer (V) Versäumnisse vor. (APA)