Wien - Innenminister Ernst Strasser schickt Anfang der Woche die Verordnung zum Integrationsvertrag in Begutachtung. Darin vorgesehen ist, dass Zuwanderer im Rahmen der Vereinbarung 100 Kurseinheiten zu je 45 Minuten zu absolvieren haben. Sollten schon gewisse Vorkenntnisse vorhanden sein, kann die Dauer des Unterrichts gekürzt werden. Zum Abschluss des Kurses sollen sie ihm Stande sein, "sich in Routinegesprächen auf Deutsch zurechtzufinden und sich in einfachen Situationen des Alltags verständigen zu können". Um das Abschluss-Diplom zu erhalten, werden die Zuwanderer jedenfalls zu einer intensiven Teilnahme an dem jeweiligen Lehrgang verpflichtet. Mindestens 80 Prozent der Unterrichtseinheiten müssen besucht werden, um eine Bestätigung zu erhalten. Zudem werden Prüfungen abgenommen. Für die Kosten kommt der Bund bis zu 50 Prozent, maximal aber 182 Euro, auf. Kann ein Zuwanderer den Nachweis erbringen, dass er schon früher entsprechende Veranstaltungen belegt und deshalb ausreichende Kenntnisse hat, muss er den Kurs nicht mehr bewältigen und erhält überdies 22 Euro für den Sprachkenntnis-Nachweis. Was das Kursziel betrifft, stützt sich das Innenministerium auf das "A1-Niveau des Europäischen Referenzrahmens zur Sprachvermittlung". Dieses sieht u.a. vor, dass der Zuwanderer "vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze" verstehen und verwenden können muss. Für den Lesebereich bedeutet dies etwa: Die Person muss "sehr kurze, einfache Texte Satz für Satz lesen und verstehen, in dem er/sie bekannte Namen, Wörter und einfachste Wendungen heraussucht und, wenn nötig, den Text mehrmals liest". Für den Bereich "hören" heißt es: "Kann verstehen, wenn sehr langsam und sorgfältig gesprochen wird und wenn lange Pausen Zeit lassen, den Sinn zu erfassen". Kontrolliert werden soll der Lernerfolg durch regelmäßige Prüfungen. Dabei können sowohl mündliche als auch schriftliche Überprüfungen von den Lehrkörpern eingesetzt werden. Als Beispiel werden in der Verordnung Multiple-Choice-Tests genannt. Am Schluss soll garantiert sein, dass die Lernenden in der Lage sind, sich im Alltag, der Berufswelt und der österreichischen Gesellschaft zurecht zu finden. Enthalten sein muss in den Lehrgängen auch der Bereich Landes- und Staatsbürgerschaftskunde, wo sich die Zuwanderer mit den Unterpunkten "Bundesländer", "Grundwerte einer europäischen demokratischen Gesellschaft", "Staatsform" und "Politische Institutionen" beschäftigen sollen. Wer die entsprechenden Kurse anbieten darf, obliegt dem im Innenministerium eingerichteten Fonds zur Integration von Flüchtlingen. Zugelassen werden können im Wesentlichen Institutionen der Erwachsenenbildung sowie kirchliche und humanitäre Einrichtungen, die seit längerer Zeit mit der Beratung, Unterstützung und Betreuung von Fremden befasst sind. Als Lehrpersonal dürfen ausschließlich Pädagogen eingesetzt werden, die mindestens ein Jahr Unterrichtserfahrung in bi- oder multilingualen Gruppen nachweisen können. Der Integrationsvertrag gilt ab 1.1. 2003 für Ausländer, die noch nicht aufenthaltsverfestigt sind (also nach dem 1.1. 1998 nach Österreich gekommen sind), bzw. Neuzuwanderer. Wird ein abschließender Test nicht innerhalb von vier Jahren absolviert, erlischt für den Zuwanderer die Aufenthaltsgenehmigung. Schon davor hat er mit einer Streichung des Kurszuschusses bzw. in späterer Folge Geldbußen zu rechnen. Ausnahmen gibt es für EWR-Bürger, Flüchtlinge gemäß Genfer Konvention, Kinder, Schüler, ältere Menschen, Spitzenführungskräfte bei gesamtwirtschaftlichem Interesse sowie für Personen, die Deutschkenntnisse vorweisen können. Insgesamt dürften sich im kommenden Jahr etwa 18.000 Menschen der Vereinbarung unterziehen müssen.(APA)