Ausgangspunkt der jüngsten Gegenbewegung an den internationalen Finanzplätzen, deren Einleitung die Mittwoch-Rallye an der Wallstreet mit einer Kursbonanza von schlußendlich plus 489 Punkten oder 6,4 Prozent des Dow Jones bildete, waren unter den stets nach einem Hoffnungsschimmer Ausschau haltenden Börsianern die Aussicht auf angeblich bevorstehende Zinssenkungen durch die amerikanische Notenbank (FED). Bei allem Verständnis für das arg gebeutelte Börsen-Gemüt: spätestens in diesem Jahr beginnen sich selbst Provinzgurus – danke, Phantomas – längst nicht mehr zu fragen, ob, sondern warum die vermeintlich altbewährte Börsenregel "steigende und hohe Zinsen = fallende Aktienkurse, sinkende und tiefe Zinsen = anziehende Aktienkurse" offensichtlich keinerlei Gültigkeit mehr besitzt. Von den guten, alten Zeiten... Das Mittel zum Zweck, sprich haussierende Aktienkurse, schien so einfach und doch effizient. Unter dem Motto "Der Greenspan wird’s scho richten, da mach‘ ma kane (Börsen)Gschichten" öffneten die FED mit Alan Greenspan an der Spitze bei jedem Krisenanlaß – und derer gab es zugegebenermaßen und bekanntlich nicht wenige -stets die Zinsschleusen. So gesehen im Oktober 1987 (der Dow verlor innerhalb einer Session 30 Prozent an Wert), danach im Jahr 1997 (Asien-Krise sowie der LCTM-Zusammenbruch), im Jahr 1998 (Rußland-Krise), und logischerweise im Gefolge des 11. Septembers 2001. Fraglich ist und bleibt, ob diese Zuhilfestellung der Börsen in Form von billigem Geld, die selbst dann erfolgte, wenn von der volkswirtschaftlichen Seite kein Anlaß dafür bestand, aus heutiger Sicht nicht einen erheblichen Teil zu der maßlosen Übertreibung der Börsen gegen Ende der 90er Jahre beitrug. Greenspan warnte bereits 1996 in seiner makellosen Rede vor dem Kongreß vor dem irrationalen Überschwang an den Wertpapiermärkten. Nur: wo blieb seine (Gegen)Reaktion, sprich Erhöhung der Zinsen und damit Verteuerung des Geldes? ...zur ungewissen Zukunft! Selbst nachhaltigen Befürwortern (s)einer Zinsenkungspolitik im politischen oder finanziellen Krisenfall, um ähnliche Reaktionen wie 1929 und auch in den 70er Jahren zu vermeiden, erscheint die abwartende Haltung der FED in der zweiten Hälfte der 90er angesichts eines durch überhöhte und maßlose Technologie-Investitionen ausgelösten Konjunkturbooms unverständlich. Als gegen Mitte 2000 an der Zinsschraube nach oben gedreht wurde, war dies nicht nur zu spät, sondern sogar verkehrt, nachdem der Techno-Boom bereits seinem abrupten, wenngleich in diesem Ausmaß kaum vorhersehbaren Absturz und Ende nahte. Dabei dürfte gerade der nicht ganz unintelligente Greenspan als einer der wenigen die Notzeichen der Zeit schon frühzeitig erkannt haben. Dies führte ab 2001 einerseits zu einem niedrigem Zinsniveau, wie es dies zuletzt vor 40 Jahren gab. Andererseits kam es angeführt vom Telekomsekor zu einer derartigen Kapital- und damit spätestens seit diesem Jahr einhergehenden Vertrauensvernichtung; sodaß es trotz idealem Zinsumfelds zu keinerlei Verbesserung auf der Unternehmensseite kam. Was bleibt ist wie immer die Hoffnung, insbesondere im Hinblick auf das nach wie vor solide Verhalten der Konsumenten. Letztere waren und sind Nutznießer von US-Zinsen nahe dem Nullpunkt. Gerade deswegen werden auch Greenspan und Co. (an)gespannt auf die Daten der Folgemonate blicken, um ja nicht durch zu frühzeitige Zinssteigerungen das letzte Fünkchen Konsumentenvertrauen zu vergrämen. Aber sobald in den Staaten tatsächlich eine sukzessive Erhöhung der Zinsen erfolgt, wäre dies ein deutliches Anzeichen einer konjunkturellen Wende mit dementsprechenden Hoffnungsschimmer für die Börsen. Nachlese --> Buy high, sell low......! --> Wieviel sind 3.500 Milliarden Dollar? --> Quo Vadis Börse? --> Wieder Ordnung an der Fußballbörse --> Auf Resignation naht die Wende --> Jede schlechte Nachricht hat ihr Gutes --> Hört die Deflations-Signale