Rankweil - Die alten Römer beschäftigen die Nachbargemeinden Feldkirch und Rankweil. Ein archäologischer Doppelfund in den angrenzenden Ortsgebieten Brederis und Altenstadt begeistert die Rankweiler, im Feldkircher Rathaus hält sich die Freude in Grenzen.Der Römerfund durchkreuzt Feldkircher Betriebsansiedlungspläne. Just auf einem 27.800 m² großen Gebiet, das man gewerblich nutzen wollte, wird eine spätantike Raststation - eventuell das lange gesuchte Clunia - vermutet. Geophysikalische Untersuchungen beweisen: Unter den Wiesen von Altenstadt ruht eine "gewaltige Anlage", so Althistoriker Robert Rollinger. Der Komplex aus mehreren Gebäuden liegt an einer breiten Straße. Sie könnte ein Teil der noch unentdeckten Nord-Süd-Verbindung Bregenz-Mailand sein. Hinweise gibt eine spätantike Karte, die "Tabula Peutingeriana". Sie war den Römern, was Reisenden heute der Michelin ist: ein Routenplaner mit Straßen- und Raststättenverzeichnis. Auf der Peutinger-Karte wird Clunia zwischen Brigantium (Bregenz) und Curia (Chur) lokalisiert. Entschädigung Bevor man den Fund "archäologisch verwertet", will Bürgermeister Wilfried Berchtold (VP) die Besitzer - die Stadt und 17 Private - entschädigt wissen. Bund, Land und Stadt sollen sich die Grundablösekosten (2,4 Millionen Euro) teilen und Dritteleigentümer werden. In Rankweil, wo die Funde unter Landwirtschaftsgrund verborgen sind, wird nicht gefeilscht. Hier hat Bürgermeister Hans Kohler (VP) zwischen Gemeinde und Besitzern Privatverträge ausgehandelt. Nach Abschluss der Forschungsarbeiten stehen die Felder wieder der Landwirtschaft zur Verfügung. Die Mauerreste in Rankweil-Brederis, eineinhalb Kilometer vom Altenstädter Fundort entfernt, sind seit 40 Jahren als "Römervilla" bekannt. Nach geophysikalischen Bodenuntersuchungen wird wieder gegraben. Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt und Studenten der Uni Innsbruck legen seit Wochen ein Nebengebäude der Villa rustica frei. Erste Ergebnisse lassen eine ungewöhnlich lange Nutzung der Villa vom zweiten bis zum vierten Jahrhundert vermuten. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2002)