Vor kurzem wurde dieStandard.at von einer Userin auf eine Anzeige im E-Jobroom des Arbeitsmarktservice (AMS) aufmerksam gemacht: Der Verein „Ja zum Leben – Human Life International" sucht derzeit für 20 Stunden wöchentlich und 440 Euro brutto im Monat eine Kindergartenhelferin oder Kinderbetreuerin für sein Zentrum in Wien-Leopoldstadt. Human Life ist besonders wegen seiner Aktivitäten rund um die Wiener Abtreibungsklinik Lucina, ehemals Mairo, umstritten, wo Mitglieder des Vereins u.a. Patientinnen belästigen und mit teils zweifelhaften Methoden versuchen, sie von einem Schwangerschaftsabbruch abzuhalten (dieStandard.at berichtete).

dieStandard.at fragte beim AMS nach, ob Frauen – vor allem langzeitarbeitslose – diese Stelle aus moralischen Gründen ablehnen dürfen und erhielt folgende Auskunft: Generell werden AMS-Inserate auf „gesundheitliche und sittliche Bedenken“ überprüft. Im konkreten Fall würde aber weder die Tätigkeit als Kindergartenhelferin noch der Arbeitgeber Human Life gegen diese Aspekte verstoßen – die Stelle sei daher zumutbar.

Persönliche Bedenken kein Hindernis

„Wenn keine andere Beschäftigungsmöglichkeit besteht, dann muss die Arbeitssuchende die Stelle akzeptieren, auch wenn sie persönliche Einwände gegen den Verein hat“, so eine AMS-Mitarbeiterin im Gespräch mit dieStandard.at. „Nimmt sie das Angebot nicht an, kann sie im schlimmsten Fall für sechs Wochen das Arbeitslosengeld verlieren.“ Moralische Wertstäbe seien laut Gesetz „kein Hindernisgrund, eine Stelle anzunehmen, weil sie nicht messbar sind“. Natürlich sei das AMS aber darum bemüht, in beiderseitigem Interesse zu handeln und für die Frau einen anderen Weg zu finden, wenn das Stellenangebot für sie wirklich ein ernsthaftes Problem darstellt, denn: „Wir wollen die KlientInnen ja nicht unglücklich machen.“

Außerdem habe auch noch der Arbeitgeber bei der Jobvergabe mitzureden – und der sei ja auch an einer zufriedenstellenden Zusammenarbeit interessiert. Lehnt die arbeitssuchende Frau die Stelle oder den Arbeitgeber von vorneherein ab, sei es „ziemlich unwahrscheinlich, dass sie den Job dann trotzdem bekommt“. (red)