New York - Zu Beginn der Westsahara-Beratungen des UNO-Sicherheitsrates in New York hat Marokko neuerlich seine Entschlossenheit demonstriert, die seit über einem Vierteljahrhundert besetzte spanische Ex-Kolonie um keinen Preis aufzugeben. Die äußerste Konzession wäre "die Übertragung weit reichender Kompetenzen an die betroffene Bevölkerung unter der Souveränität des Königreichs Marokko", wie UNO-Botschafter Mohammed Bennouna in einem Schreiben an das höchste Gremium der Vereinten Nationen unterstrichen hat. Schon im Hinblick auf die Parlamentswahlen im Herbst wird die marokkanische Regierung zu keinen Zugeständnissen bereit sein. Der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt, der militärisch längst entschieden ist, wäre damit politisch nur durch eine Kapitulation der Befreiungsfront Polisario beizulegen, deren Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) von annähernd neunzig Staaten anerkannt worden ist. Rabat hat die UNO-Beschlüsse über die Durchführung eines Selbstbestimmungs-Referendums konsequent ignoriert und alles getan, um die Westsahara durch einen massiven Bevölkerungstransfer unwiderruflich an sich zu binden. Marokkos strategische Lage am Schnittpunkt der Verbindungen Atlantik-Mittelmeer und Europa-Nordwestafrika ist von besonderer Bedeutung. Diese wird durch die Ansprüche Rabats auf die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla und die ungelösten Grenzprobleme mit Algerien verstärkt. Die jüngste Krise um die Insel Perejil ermöglichte es Rabat, die USA als Schiedsrichter anzurufen, um das spanisch-marokkanische Verhältnis in vernünftige Bahnen zu leiten und zugleich in dem Raum noch stärkeren Einfluss zu nehmen. Die USA - deren Ex-Außenminister James Baker UNO-Sonderbeauftragter für die Westsahara ist - sind von dem Prinzip des Selbstbestimmungsrechts der Saharauis abgerückt und propagieren im Weltsicherheitsrat mit französischer und britischer Unterstützung eine Autonomielösung, welche von der früheren Kolonialmacht Spanien, sowie von den ständigen Sicherheitsratsmitgliedern China und Russland abgelehnt wird. Von den nichtständigen Ratsmitgliedern lehnen Irland, Kolumbien, Mexiko und Norwegen den Autonomieplan ab, während Guinea und Kamerun ihn befürworten. Algerien, ohne dessen logistische Hilfe und diplomatische Rückendeckung die DARS nicht aktionsfähig wäre, würde sich jetzt offenbar mit der Teilung des 266.000 qkm großen Wüstengebiets in einen unabhängigen und einen marokkanischen Teil abfinden. Marokkos Außenminister Mohammed Benaissa hat die Teilungs-Idee aber bereits als "extrem gefährliche" Option verurteilt. Die marokkanische Presse attackiert ihrerseits die so genannte "Achse Algier-Madrid" und wirft dem östlichen Nachbarn vor, sich "ohne Skrupel die kolonialistischen Thesen" der Spanier anzueignen. Spaniens Ministerpräsident Jose' Maria Aznar hatte US-Präsident George W. Bush im vergangenen Mai in Washington dargelegt, warum Madrid weiter an der Notwendigkeit einer Volksabstimmung in der Westsahara festhält. Er machte deutlich, dass Spanien einem anderen Weg zur Lösung des Konflikts nur zustimmen könne, wenn beide Seiten - die marokkanische Führung und die Polisario - damit einverstanden wären. Jede Entscheidung, die einer der beiden Seiten aufgezwungen werde, hätte die Fortdauer des Konflikts zur Folge. Vor den atlantischen Küsten der Westsahara wird neben reichen Fischvorräten auch Öl vermutet. Marokko hat den Konzernen Shell, TotalFinaElf und Kerr-McGee erlaubt, dort nach Öl zu suchen. Die DARS-Regierung will nach Presseberichten die britisch-australische Firma Fusion zum Zug kommen lassen. Madrid hat der spanischen Gesellschaft Repsol erlaubt, in den Gewässern zwischen der Atlantikküste und den Kanarischen Inseln nach Öl zu suchen, wogegen die Marokkaner protestieren.(APA)