Nach dem Auffliegen der "Affäre Hunzinger" in Deutschland steht der Softwarekonzern Microsoft im Kreuzfeuer der Kritik in vielen internationalen Medien. Konkret werden immer wieder massive Lobbying-Vorwürfe - nicht nur in Deutschland - sondern vor allem in Südamerika, geäußert. So soll der Softwarekonzern im Kampf gegen Open Source-Software verstärkt bei Regierungsstellen interveniert haben. Die Affäre Hunziger Hunzinger war im Zusammenhang mit Zuwendungen an den zurückgetretenen Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) sowie einem zinsgünstigen Kredit für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geraten. Die Hunzinger Public Relations GmbH führte im Auftrag des Softwarekonzerns auch eine umstrittene Kampagne für den Einsatz von Microsoft-Produkten im Deutschen Bundestag. Allein der Feldzug gegen den Einsatz des freien Computer-Betriebssystems Linux im Parlament soll nach nicht dementierten Meldungen eine siebenstellige DM-Summe gekostet haben. Wie Microsoft mitteilte, laufe der Vertrag mit Hunzinger "planmäßig zum 31. Juli 2002 aus". In Zukunft wird die ECC Public Affairs die Vertretung des Konzerns übernehmen. Lobbying im Bundestag Laut einem Bericht der deutschen Zeitung Die Welt , wurde im Zuge der Diskussion um die Einführung von Linux im deutschen Bundestag massives Lobbying betrieben. Hunzinger hatte unter anderem versucht mit den Anschlägen des 11. September für Microsoft Stimmung zu machen und die Bedrohung und Unsicherheit von Open Source angeprangert. Man könne aber "solchen Persönlichkeiten nicht die Zeit stehlen, ohne selbst auch etwas zu geben", erklärte Hunzinger nach Angaben der "Bild"-Zeitung. Auch Besuche von Politikern bei Firmen geschähen fast immer gegen eine Spende an die betreffende Partei. Politiker und Parteien brauchten Geld für Informationsschriften, Mitarbeiter und Dienstreisen. "Es wäre deshalb Unsinn, Parteispenden so zu dämonisieren, wie das jetzt wieder geschieht." In Peru, in Peru in den Anden Auch das Magazin Wired berichtet von massiven Lobbying des Softwarekonzerns. Laut einem Bericht, der sich auf dem Autor vorliegende Dokumente stützt, versucht Microsoft eine Gesetzesvorlage in Peru, die vorsieht im staatlichen Bereich Open Source-Software einzusetzen, zu Fall zu bringen. Laut diesem Artikel machte sich der U.S.-Botschafter in Lima, John Hamilton, für den Softwarekonzern stark. In einem Brief an den Präsidenten des peruanischen Kongresses zeigte sich Hamilton enttäuscht über die mögliche Verabschiedung des Gesetzesentwurfs "1609" (bekannt unter "Free Software in Public Administration"). Spenden und Investitionen Laut dem Wired-Bericht investiert Microsoft geschätzte 50 Millionen Dollar jährlich in Peru. Doch nicht nur die US-Regierung scheint in Sachen Microsoft in Lateinamerika mobil zu machen, auch Bill Gates macht Werbung in eigener Sache. So spendete der Microsoft-Gründer erst kürzlich 550.000 Dollar für das peruanische Schulsystem. Auch in anderen südamerikanischen Ländern hält Open Source, sehr zum Ärger von Microsoft, verstärkt Einzug. In Argentinien, Mexiko und auch Brasilien wurden entsprechende Gesetzesvorlagen zur Verbreiterung von freier Software eingebracht.(red/APA/Reuters)