St.Gallen/Bregenz - Der Schweizer Bodensee hat Blähungen. Ursache sind aufsteigende Gasblasen aus teerhaltigem Abfällen auf dem Seegrund im Bereich der Goldach-Mündung an der Grenze zwischen den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Die von der Stadt St. Gallen veranlassten Kontrollen haben bisher keine Beeinträchtigung des auch für Trinkwasser genutzten Sees ergeben. Auf Vorarlberger Seite ist der Bodensee laut Umweltinstitut Vorarlberg "o.k.". Die zuletzt Mitte Juli gemessene Badewasserqualität ist durchwegs "sehr gut", lediglich am Rheinspitz in Fußach und im Schwarzbad Lochau ist sie nur mit "gut" bewertet worden. Teer-Probleme wie sie in der benachbarten Schweiz zwischen Goldach (St. Gallen) und Horn (Thurgau) Badende, Fischer und Wasserwerke beschäftigen, gibt es im Ländle nicht. Gestank Anders ist die Lage im Delta der Goldach: Es stinkt plötzlich nach Teer, auf der Wasseroberfläche bildet sich ein Ölfilm, immer wieder steigen Luftblasen auf. Ursache sind Ablagerungen auf dem Seegrund. Von 1910 bis 1960 hat das Gaswerk Rietli seine Abwässer im Bodensee entsorgt, seither sind die Sedimente verschmutzt. Daniel Müller vom Amt für Umwelt des Kantons Thurgau schätzt die Fläche, die mit teerhaltigen Abfällen verschmutzt ist, auf rund 10.000 Quadratmeter. Zum Teil sei die Teerschicht einen Meter dick. 1998 haben die Stadt St. Gallen und der Kanton Thurgau die Teerablagerungen nach 1974 ein zweites Mal mit Hilfe von Tauchern untersuchen lassen. Auf Grund der neuen Altlastenverordnung wurden die Ablagerungen neu eingeschätzt. Das Resultat: Eine Kontrolle der Abfälle ist besser als sie zu heben. Abfälle sollen unten bleiben 1974 war ein Teil der Teerablagerungen abgesaugt worden. Heute kann Gaswerkteer in Sondermüllöfen problemlos entsorgt werden. Trotzdem haben sich Umweltexperten entschieden, die Teerabfälle auf dem Seegrund zu lassen. Die Gefahr einer Gewässerverschmutzung beim Heben der Abfälle seien zu groß. Außerdem seien die verschmutzten Sedimente mit Sand und Geröll aus der Goldach zugedeckt. Die Sedimente werden alle zwei Monate von den Stadtwerken St. Gallen kontrolliert. Wasserproben werden im spezialisierten Labor BMG Engineering in Zürich geprüft. Bisher wurde laut BMG keine signifikant erhöhte Schadstoffmenge festgestellt. Das dürfte vor allem die Bevölkerung der Stadt St. Gallen beruhigen: Die Regionale Wasserversorgung fasst unweit der Teerablagerungen Trinkwasser für zig-tausend Menschen. (APA/sda)