Die Wiener Galerien Feichtner & Mizrahi, Curtze, Krinzinger und Meyer Kainer sind wieder unter die Marketender des Kunstbetriebs gegangen: Sie haben ihre Zelte in Salzburg aufgeschlagen. Und Anselm Kiefer hat sich ein Tempietto gebaut.Salzburg - Fahrende Händler sind sie, die Wiener Galeristen, die zur Festspielzeit in der Mozartstadt ihre Zelte aufschlagen, in der Hoffnung, dass etwas abfalle vom Tisch des reichen Mannes. Diese Hoffnung nimmt allerdings die unterschiedlichsten Formen an und Orte ein. So ist für Jedermann etwas dabei.

Feichtner & Mizrahi haben etwa ihren Stand gleich neben dem Sternbräu-Biergarten aufgeschlagen und ein aufgelassenes Uhrengeschäft in ein Bilderlager umfunktioniert. Lugt man durchs Schaufenster, lässt sich die Bandbreite des Sortiments (von Farbfeld-Mystik bis Steckbilder-Pornos) ermessen. Aus diesem Fundus wird dann alle paar Tage ein neues Menü zusammengestellt und im Showroom im ersten Stock serviert. Derzeit gibt es ausgezeichnete Malerei von Eva Wagner, sich überlagernde Traumsequenzen, Erinnerungsbilder und Fata Morganen, die sich ebenso schwer fassbar wie präzise in die Netzhaut brennen.

Will man weiter zur Galerie Krinzinger, muss man sich durch die Getreidegasse wühlen, bei der Nummer 22 mit dem Lift in den dritten Stock fahren, wo man von einer von allen Wänden und der niedrigen Holzdecke quellenden Bilderflut nahezu erdrückt wird. Motto: "Political Correct? Dutch." Die von Roel Arkesteijn kuratierte junge wilde Niederländer-Elf spielt alles andere als korrekt, liebt Fouls und Bodychecks, schließt nach bewährter Klospruchmanier Politik und Porno kurz und trasht, was das Zeug hält. Da kann man sich auf Foltergeräten ins Gesicht scheißen lassen ("Schandkloz") oder zusehen, wie es der zur Domina mutierte Arafat mit Sharon treibt (Erik van Lieshout). Pulp Pictures pur.

Coole Improvisation

Ganz anders die Galerie Meyer Kainer, die, so der Titel, "endlich eine gute Ausstellung" zeigt. Am Waagplatz 1 hat man die ehemaligen Säle einer Tanzschule gemietet, zeigt sich großzügig mit viel Parkett und musealer Weite, ohne auf coole Improvisation zu vergessen. Gemessen kann man dem Querschnitt durchs Programm entlangflanieren, von Peter Hölls "Trafikant" eine Zigarette rauchen lassen, an Gelatins Späßen Spaß haben oder Marcin Maciejowskis faszinierende Agitprop-Bilder aus dem neoliberal entfremdeten Polen entdecken. Und darüber schmunzeln, wie ungeniert Martin Kusej sich mit seinen Don Giovanni-Dessous-Girls bei Vanessa Beecroft bedient hat.

Heike Curtze gastiert wieder bei der Katholischen Hochschulgemeinde in der Wiener-Philharmoniker-Gasse 2. Der in den 70er-Jahren in die barocke Bausubstanz implantierte Klubraum mit Bar und umlaufender Galerie eignet sich bestens für festspielende Partys, und die Bilder geben dafür den dekorativen Rahmen ab. Einem Accrochage-Programm von Attersee bis Venezia werden in den nächsten Tagen noch kleine Personalen mit Promifotografie folgen.

Im Furtwänglerpark nebenan ist schließlich die Attitüde der von VP-Vizebürgermeister Gollegger geleiteten Salzburg Foundation Form geworden, die von Lóránd Hegyi und anderen internationalen Fachleuten beraten wird. Anselm Kiefer, dem größten abgehalfterten Maler Deutschlands, wurde hier ein Tempel errichtet, wo dieser nach Bedeutung ringen darf. Weitere Großprojekte im öffentlichen Raum sollen folgen. Willkommen im 19. Jahrhundert. (Anselm Wagner/DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2002)