Fernand Léger, Zwei stehende Frauen, 1922
© Centre Georges Pompidou Paris
©Photo CNAC/MNAM Dist. RMN
© VBK, Wien, 2002

Foto: Rupertinum

Fernand Léger, Die drei Kameraden, 1920
© Stedelijk Museum Amsterdam
© VBK, Wien, 2002

Foto: Rupertinum

Fernand Léger, Landschaft, 1925
© Courtesey Galerie Louis Carré & Cie
© VBK, Wien, 2002

Foto: Rupertinum
Salzburg - Alfred Barr, der große Gründer des MoMA New York, nannte Fernand Léger einen lauten Künstler, der Feuerwehrautos jage. Nicht Kubist, sondern Tubist, der Röhrenmaler, wird er auch geheißen, dieser 1881 in der Normandie geborene Sohn des Maschinenzeitalters. Eine Integrationsfigur des kulturellen Lebens in Paris und New York mag er in jedem Fall gewesen sein. Ob seine Werke als "große Neuerung der Malerei" heute Bestand haben, kann man derzeit anhand einer - etwas wild gehängten - Personale des Rupertinum Salzburg nachprüfen.

L'Esprit Moderne, der moderne Geist, heißt diese Ausstellung. Der Zeitgeist? Und tatsächlich, der mit Impressionismus beginnende, diese Dinge aber tunlichst zerstört habende Fernand Léger vereint stilistische Strömungen der Kunst der ersten Jahrhundertwende: Kubismus, Futurismus und in den 30er-Jahren auch Surrealismus.

Wie viele Kunstschaffende seiner Zeit verspürte der in frühen Jahren sich als technischer Zeichner durchschlagende, sich zum Kommunismus bekennende Léger den Hang zum Gesamtkunstwerk, auch vor dem Hintergrund der Idee des kollektiven Schaffens: Theater, Architektur und vor allem Film stehen im Zentrum des Interesses, in den US-amerikanischen Exiljahren während des Zweiten Weltkrieges dreht er u. a. mit Duchamp. 1924 kommt Léger übrigens auf Einladung Friedrich Kieslers nach Wien, anlässlich der "Internationalen Ausstellung neuer Theatertechnik".

Von Légers "typischen" Röhrenbildern ist in Salzburg recht wenig zu finden, der Tubismus schlägt lediglich bei einigen Frauen-Doppelporträts zu. Legers Arbeiterfantasien finden hauptsächlich in Primärfarben statt, ohne Dreck, Schweiß und Rauch. Die frühen Arbeiten, darunter einige hervorragende, weil nicht wie Légers Malerei laut schreiende Aquarelle und Zeichnungen kehren einen schöpferischen Suchenden mit sozialem Bewusstsein hervor.

Die späte, schludrig gemalte Konfektionsware, bei der er sich schlecht wiederholt, wäre in der Schau eigentlich überflüssig. Andererseits bekam er gerade in späten Jahren den großen Preis der Biennale Sao Paulo. Gut ist Léger, wenn er sich auf sein ureigenes Metier besinnt: dekorative Wandmalereien oder Entwürfe für Glasfenster, im Rupertinum-Stiegenhaus gut platziert.

Die vielleicht erstaunlichsten und besten oder heute zumindest am modernsten erscheinenden Arbeiten, wie etwa eine Wandkomposition, ein surrealistisches Triptychon oder die Komposition auf grünem Grund, stammen durchwegs aus den 20er- und 30er-Jahren.

Insgesamt ein zwiespältiges Bild des Malers, den das Publikum in jedem Falle gut annimmt. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2002)