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Mit zuviel Treibstoff an Bord und brennenden Triebwerken bohrte sich der führerlose Kampfjet in einer Zuschauermenge in die Erde. Ob die Piloten vor ihrem Ausstieg noch mit Nachbrenner-Schub auszuweichen versucht haben, stand vorerst noch nicht fest.

Foto: APA/ dpa/ EPA
Lwiw/Kiew - Das Kampfflugzeug, das am Wochenende bei einer Flugschau im ukrainischen Lwiw in die Zuschauermenge stürzte und mindestens 83 Menschen tötete (DER STANDARD berichtete), hatte zu viel Treibstoff getankt. Dies ergaben am Montag die Ermittlungen. Ob diese Überlast zu dem Unglück führte, war zunächst nicht bekannt. Der Jet vom Typ Suchoi Su-27 hatte sechs statt vier Tonnen Treibstoff an Bord, wie das ukrainische Fernsehen ICTV berichtete. Die beiden Piloten, die sich mit dem Schleudersitz retten konnten, hätten das Übergewicht bemerkt. Die Männer hätten bei der Befragung im Krankenhaus außerdem darauf hingewiesen, dass die Zuschauer während der Flugschau anders als vorgesehen platziert waren und für die Veranstaltung eine andere Maschine als bei den Probeflügen benutzt wurde, hieß es weiter. Das ukrainische Verteidigungsministerium ließ alle Militärflüge, die nicht unmittelbar der Staatssicherheit dienen, "auf unbefristete Zeit" aussetzen. Einen Tag nach der Katastrophe war am Sonntag in der Ukraine ein Kampfflugzeug vom gleichen Typ (Su-choi Su-25) bei einem Testflug abgestürzt. Bei dem Unglück kam der Pilot ums Leben. Die Maschine war zuvor general-überholt worden. Bereits zuvor hatte Staatschef Leonid Kutschma den Generalstabschef der Luftwaffe, Wolodimir Strelnikow, ent-lassen und Flugschauen bis auf weiteres verboten. Der ehemalige Luftwaffenchef und drei weitere Offiziere wurden festgenommen. Experten kritisierten, dass Sicherheitsstandards nicht eingehalten worden seien, die Flugzeuge seien direkt über das Publikum hinweg flogen. Mehr als 1500 Ukrainer haben am Montag auf dem Flughafen von Skniliw bei Lwiw der 83 Opfer der Flugschau-Katastrophe gedacht. Trauernde Angehörige legten Kränze an der Stelle nieder, wo der Jet in die Zuschauermenge gestürzt war. Im ganzen Land galt Staatstrauer. Von den 199 Verletzten befanden sich am Montag noch 70 im Krankenhaus, von ihnen schwebten 23 in Lebensgefahr. (AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 30.07.2002)