Wien - Finanzminister Karl-Heinz Grasser will den finanziellen Gesamtschaden des Tiroler Finanzskandals erst im Oktober beziffern. Wie berichtet werden zwölf Beamte des Finanzamtes Innsbruck des Amtsmissbrauchs, der Abgabenhinterziehung und Korruption verdächtigt, acht von ihnen sitzen in Haft. Zurzeit sei es noch zu früh, konkrete Zahlen zu nennen, man müsse zunächst das Ergebnis der Wiederholungsprüfung abwarten. An dieser arbeiten derzeit rund 60 Finanzbeamte. Der Finanzverwaltung sei durch dieses "mafiose Netzwerk ein enormer Imageschaden" entstanden.Die Reorganisation der Finanzverwaltung sei gerade vor dem Hintergrund der "traurigen Innsbrucker Ereignisse" notwendig gewesen, so Grasser, der erneut seinen Plan verteidigte, aus den 80 Finanzämtern 43 "Wirtschaftsräume" zu machen. Derzeit liefen dazu zwei Pilotprojekte in Oberösterreich und im Burgenland. Unabhängig vom Tiroler Skandal zog Grasser eine positive Bilanz über die Betrugsbekämpfung bei Steuerdelikten im abgelaufenen Jahr. Insgesamt hätten die heimischen Zollbeamten mehr als 90 Millionen Zigaretten und über 300 Kilo Drogen sichergestellt. Betriebsprüfungen hätten 1,56 Mrd. Euro für das Budget gebracht, um rund 300 Mio. mehr als im Jahr 2000. Dieser Anstieg sei allerdings kein Indiz dafür, dass die Unternehmer betrugsanfälliger geworden seien, sondern auf "selektivere Fallauswahl, strategische Risikoanalyse und modernere Prüfungssoftware" zurückzuführen. Heuer erwartet Grasser ein gleich gutes oder sogar noch höheres Ergebnis der Betrugsbekämpfung. Bis Juni seien die Einnahmen von 660 auf 850 Mio. Euro gesteigert worden. (zwi/DER STANDARD, Printausgabe, 30.07.2002)