Feldkirch - Immer mehr Frauen lassen sich im Fraueninformationszentrum Femail, Vorarlbergs Frauenservicestelle, beraten. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Anfragen im Vergleich zu 2001 um zehn Prozent. Bedarf an Beratung haben vor allem Frauen über 50, die sich zur Scheidung entschlossen haben. Femail-Geschäftsführerin Sabine Juffinger: "Sie waren Hausfrauen, haben keine Sozialversicherung, keinen Beruf, die Unterhaltszahlungen sind gering. Den Frauen droht die Armut." "Im Gegensatz zu verarmten Männern, die auf der Straße leben, sind diese Frauen für die Gesellschaft nicht sichtbar, sie verkriechen sich und versuchen irgendwie über die Runden zu kommen." Die Folgen ließen sich aus der steigenden Zahl anonymer Anfragen zum Themenbereich Gesundheit und Sucht ablesen. Ein weiteres Problemfeld, das Frauen beschäftigt, ist der berufliche Wiedereinstieg. "Der zweite Bildungsweg wird immer als Chance bezeichnet, für viele Frauen ist er aber nicht finanzierbar", schildert Juffinger die Realität. "Die meisten Wiedereinsteigerinnen möchten nicht in ihren alten Beruf zurück, sie möchten etwas Neues lernen." Was aber nur unter hohem finanziellen Aufwand möglich sei, weil es Förderungen von langfristigen Umschulungsmaßnahmen nur für Frauen gibt, die bereits im Arbeitsprozess stehen. Bei Femail bekommen die ratsuchenden Frauen individuelle Erstberatung und werden dann an Fachstellen vermittelt. Anlaufstelle ist das Fraueninformationszentrum in der Feldkircher Neustadt. Seit Beginn des Jahres werden Sprechtage in Gemeinden durchgeführt. (jub/DER STANDARD, Printausgabe, 30.07.2002)