Wien - Zumindest ein Nachteil des freien Marktes bleibt dem Konsumenten erspart: Nicht nur aggressive, sondern gleich jegliche Art von Kundenwerbung ist verboten. Und auch dennoch wird der Tod in Wien bald kein Monopol mehr sein: Das Wirtschaftsministerium streicht per 1. August die seit 1907 verpflichten vorgeschriebene "Bedarfsprüfung" vor der Genehmigung, ein Bestattungsunternehmen zu gründen. De facto hatte diese Prüfung ein Monopol für bestehende Bestatter garantiert. Die Wiener Bestattung, Teil der "Wiener Stadtwerke Holding AG", fürchte die ins Haus stehende Konkurrenz jedenfalls nicht, betonte der für die Stadtwerke zuständige Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP) am Montag. Ganz im Gegenteil erwarte er, dass die Qualität der Dienstleistung Bestattung dadurch spürbar werde erhöht werden. Dass Wiens Totengräber noch vor Jahresende privatwirtschaftliche Konkurrenz bekommen könnten, ist durchaus möglich. Ein Kärntner Bestattungsunternehmer, die Klagenfurter "Pax Bestattungs- und Grabstättenfachbetrieb GmbH" kündigt jedenfalls via profil an, schon bald auch in der Bundeshauptstadt tätig werden zu wollen. "Pax" hat seit Beginn der 90er-Jahre mit gegen das Totenmonopol in Graz und Klagenfurt prozessiert und so das Fallen des Bedarfsnachweises herbeigeführt. Auf der Ebene der Wiener Friedhofsverwaltung muss, so Rieder am Montag, nun auf rechtlicher Ebene geklärt werden, wie die Verträge mit etwaigen neuen Bestattungsunternehmen auszusehen haben. Derzeit seien diese nur mit der Bestattung Wien abgeschlossen worden. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 30.07.2002)