Dass sich der deutschsprachige Fernsehfilm

Dass sich der deutschsprachige Fernsehfilm jüngerer Debatten oder auch Ereignisse besinnt, ist man eigentlich nicht gewohnt. In dieser Hinsicht ist etwa Hollywood - einmal ungeachtet der Qualität - um einiges agiler.

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Umso überraschender das Sujet des letzten Tatort

... am vergangenen Sonntag, Schatten: Die sonst ein wenig lahme Bremer Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) wird darin mit einem Mord konfrontiert, der in Zusammenhang mit ihrer eigenen Biografie steht.

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Als linke Studentin hatte sie einstmals einer Gruppe von 68er-Aktivisten

... angehört, die - empört über den Tod von Ulrike Meinhof - ein Verlagshaus bestürmten, wobei ein Wachmann getötet wurde. Nunmehr werden die Kollegen von damals, mittlerweile fast alle arriviert, erpresst - jemand droht, ihre Identität preiszugeben.

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Sieht man ab von einigen überflüssigen Rechtfertigungen

... der Kommissarin ("Ach, waren wir naiv!", ". . . schon ein wenig pubertär . . .") oder entbehrlichen Verweisen auf 9/11, so näherte sich Regisseur Thorsten Näter dem Thema durchaus differenziert, ohne die Figuren für ihre "Vergangenheit" zu desavouieren.

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Inhaltlich bewegte sich Schatten damit eher

... in der Nähe von Christian Petzolds Die innere Sicherheit als in jener von Retro-Komödien wie Was tun, wenn's brennt. Sogar ein (ironischer) Brückenschlag zwischen den Generationen glückte Näter, wenn sich zuletzt ein Verlierer der New Economy als Täter entpuppt - und derart das Scheitern seines Vaters noch akzentuiert. (kam/DER STANDARD; Printausgabe, 30.7.2002)

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