Singapur - Blutsaugende Tiere wie Zecken, Moskitos und Läuse haben in ihrem Speichel Substanzen, die in der modernen Medizin Verwendung finden könnten, meinen Wissenschaftler. Dort konnten Forscher die Substanz Hidurin aus dem Speichel von Läusen gewinnen. Diese wird zur Blutverdünnung verwendet, berichtet die Straits Time.Hirudin Der einzige Nachteil an Hirudin ist die Tatsache, dass dieser Stoff nur ein paar Mal verabreicht werden kann, da das menschliche Immunsystem ihn erkennt und dann die Wirkung ausschalten kann. Daher suchen die Wissenschaftler neue Substanzen in den rund 40.000 blutsaugenden Lebewesen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. So sind zum Beispiel Hakenwürmer, die sich von menschlichem Blut ernähren und sich in den Organen festsetzen, Kandidaten für weitere Untersuchungen. Das amerikanische Pharma-Unternehmen Corvas hat entdeckt, dass die Hakenwürmer ein gerinnungshemmendes Protein erzeugen, das für einige operative Eingriffe verwendet werden könnte. Im vergangenen Jahr konnte in einem Versuch an Knieoperierten die Substanz gegen die Bildung von Blutklumpen verabreicht werden. Das britische Pharmaunternehmen Evolutec arbeitet intensiv daran, das Geheimnis der Speichelsekrete von Zecken zu erforschen: Mehr als 300 Chemikalien sind darin verborgen. Sie sorgen dafür, dass die Zecken unentdeckt und unbemerkt so lange am Wirt bleiben, bis sie vollgepumpt mit deren Blut abfallen. "Bis zu 14 Tage kann das dauern", so Wynee Weston-Davies, Development Director von Evolutec. "Wir wissen, dass dahinter ein kluger Schachzug steckt", meint der Wissenschaftler. Normalerweise würde ein Biss zu einer Schwellung und Entzündung führen, die dann zu einem Juckreiz führt. Aber der Zeckenspeichel verfügt über histaminbindende Proteine, die das Histamin neutralisieren und so eine Entzündung verhindern. EV 131 Da Histamine auch zu allergischen Reaktionen wie Heuschnupfen oder Asthma führen, verspricht sich das Unternehmen die Entwicklung von neuartigen Arzneimitteln. Evolutec sucht gezielt nach der Substanz EV 131, die im Speichel von Zecken vorhanden ist. Bereits in wenigen Monaten soll mit den ersten Tests von neuen Präparaten gegen Bindehautentzündung begonnen werden. Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, könnte schon in zwei Jahren das neue Präparat aus Zeckenspeichel in den Regalen stehen. Das Medikament wird das Immunsystem des Menschen nicht beeinflussen. "Zecken gibt es länger als Dinosaurier, daher haben sie während dieser Zeit genug Möglichkeiten gefunden, eine optimale Strategie zu entwickeln", so Weston-Davies. (pte)