Wien - Knalleffekt im Streit um die Verträglichkeit des Ettikets "Weltkulturerbe" der Wiener Innenstadt mit dem bis zu 97 Meter hohen Hochhausprojekt über dem Bahnhof Wien-Mitte. Nachdem sich am Sonntag Michael Petzet, Präsident des Icomos (International Council on Monuments and Sites) für eine Aberkennung des Titels augesprochen hatte - DER STANDARD berichtete - erklärte man am Monatgnachmittag auch im Pariser Welterbe-Zentrum der Unesco, dass es möglich sei, dass die Wiener Innenstadt wegen des Hochhausprojekts das Prädikat "Weltkulturerbe" tatsächlich wieder verlieren könnte oder auf die Liste gefährdeter Stätten gesetzt wird. Wien werde dieser Tage die offizielle Aufforderung des Weltkulturerbe-Komitees erhalten, bis Oktober zur Besorgnis über die Wien-Mitte-Türme Stellung zu nehmen. Von der Reaktion Wiens hänge dann das weitere Vorgehen ab. Eine Entscheidung werde das Komitee nächstes Jahr treffen. Die Aussagen des Icomos-Präsidenten wollte man nicht kommentieren: Petzet hat im Welterbe-Komitee keine Stimme. Wiens Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) gab sich in einer ersten Stellungnahme gelassen: Man werde das Komitee nach Wien einladen und hier von der Vereinbarkeit von Weltkulturerbe und den Wien-Mitte-Hochhäusern überzeugen. Rechtlich abgesichert Ungeachtet der Entscheidung der Unesco ist allerdings allen Beteiligten klar, dass rechtliche Mittel zur Verhinderung oder Verkleinerung des Hochhauskomplexes in Wien-Mitte theoretisch und praktisch nicht existieren. Der Bauträger, die Wien-Mitte Bauprojektmanagement GmbH unter Federführung der Bauträger Austria Immobilien GmbH (B.A.I.), verfügt über eine gültige Baugenehmigung. Die Flächenwidmung wurde mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP beschlossen. Wünsche und Anregungen, das Projekt zu redimenisonieren, waren vom Bauträger stets mit dem Hinweis darauf, dass sich das Projekt dann nicht mehr rechnen würde, abgelehnt worden. FP-Obmann Hilmar Kabas verlangt nun einen sofortigen Baustopp, Grünen-Klubchef Christoph Chorherr glaubt, dass sich der Bauträger "sehr schwer" tun werde, gegen den "erklärten politischen Willen der Stadt das Projekt so durchzuziehen". VP-Neoobmann Alfred Finz hat nichts gegen den Turmbau. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2002)