Dort, wo selbst das Leich- teste ins Gewicht fällt, wo schon ein falsches Dekagramm den Zorn wachruft, in der Gewürzkrämerei: Ausgerechnet dort mangelt es den Inhabern fatal an Spürsinn. Den drei gewerbetreibenden Herren - Schwefel, Baumöl und Zichori - sind die Nasen von Majoran & Co offensichtlich so verstopft, dass ihnen nicht der geringste Verdacht darüber ins Gehirn strömen mag, ihre illustren Gattinnen (mäßig gespielt von Michaela Ehrenstein, Sabine Staudacher und Elfriede Ott) könnten fremdgehen. Tun sie aber. Aktuelles Opfer ist der flotte Kommis Viktor (Franz Tscherne). Die von Johann Nestroy in seiner ebenfalls mäßigen Posse "Das Gewürzkrämerkleeblatt" (Wiederholungen, schwache Charaktere) derart fokussierten Spezereien ließ Elfriede Ott bei ihren 20. Maria Enzersdorfer Festspielen mit Reformhaus-Charme einhüllen und in spektakuläres Licht- und Kostümdesign einlullen. Dass nicht - wie vorgesehen und besungen (!) - die "emanzipierten" Damen das Spiel antreiben, sondern die betrogenen Herren (Gerhard Ernst, Rainer Stelzig und Anton Nevokar) ist noch das leidliche Zeichen einer oberflächennahen Show. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2002)