Wien - Der Wiener Anwalt Farid Rifaat will im Namen von zehn Personen, die behaupten, von katholischen Würdenträgern missbraucht worden zu sein, die katholische Kirche klagen, berichtet der "Kurier" in seiner Dienstag-Ausgabe. "Die jeweiligen Priester zu klagen, macht wenig Sinn, weil diese vermögenslos sind", erläuterte der Rechtsanwalt dazu im Gespräch mit der APA. Daher hält er rechtliche Schritte gegen die Institution für zulässig, wobei sich Rifaat auf die so genannte Gehilfenhaftung (Par. 1313a bzw. 1315 Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch) beruft. "Zwischen den Gläubigen und der katholischen Kirche besteht ein Leistungsaustausch und eine Art Schuldverhältnis. Die Kirche transportiert den Glauben und bietet ihre Sakramente an, die Leute zahlen dafür etwa Kirchensteuer", argumentiert Rifaat. Wenn die Kirche nun durch ihre "Erfüllungsgehilfen" mangelhafte Leistungen erbringe, aus denen Schäden erwachsen, mache sie sich zivilrechtlich haftbar. Bleibende Schäden In den konkreten Fällen sollen die sexuellen Übergriffe, denen die acht Männer und zwei Frauen nach Darstellung des Anwalts teilweise schon vor Jahrzehnten zum Opfer gefallen sind, zu bleibenden Schäden geführt haben. "Depressionen, Bindungsängste und -unfähigkeit, auch Scheinehen sind eingegangen worden", so Rifaat. Die Täter - Pfarrer, geistliche Erzieher, Religionslehrer - seien sich vermutlich gar nicht bewusst gewesen, was sie damit anrichteten. Zunächst möchte Rifaat noch abwarten, ob eine außergerichtliche Einigung zu Stande kommt. Dies würde einen wahrscheinlich jahrelangen Rechtsstreit, bei dem es um die finanziellen Ersatzansprüche für bestehende und zukünftige Schäden - psychische Folgen eines sexuellen Übergriffs kommen mitunter erst Jahre später zum Vorschein - gehen würde, verhindern. "Den Leuten geht es nicht nur um Geld. Es geht ihnen primär um die Genugtuung, dass die Kirche diese Vorfälle zugibt", erklärte der Anwalt abschließend. (APA)