Madrid/Rabat - Gut eine Woche nach der Beilegung des Konflikts um das unbewohnte Eiland Perejil (Petersil) ist es zwischen Spanien und Marokko zu einem neuen Insel-Streit gekommen. Der marokkanische Außenminister Mohammed Benaissa protestierte in Madrid dagegen, dass ein spanisches Kriegsschiff vor der ebenfalls unbewohnten Insel Nakor (Alhucemas) bei der marokkanischen Stadt Al Hoceima vor Anker gegangen sei. Wie die staatliche Nachrichtenagentur MAP am Dienstag berichtete, warf der Minister dem Schiff vor, in marokkanische Gewässer eingedrungen zu sein. Benaissa äußerte sich in einem Telefongespräch mit seiner spanischen Amtskollegin Ana Palacio "sehr besorgt" über den Vorgang. Spaniens Außenministerin wies die Vorwürfe nach Presseberichten vom Dienstag zurück. Das Schiff habe lediglich eine Routine-Überwachung innerhalb spanischer Hoheitsgewässer vorgenommen. Die Insel Nakor, die nur 200 Meter vom nordafrikanischen Festland entfernt liegt, war 1673 von den Spaniern eingenommen worden. Marokko erhebt seit seiner Unabhängigkeit 1956 Anspruch auf das Eiland. Der marokkanische König Mohammed VI. hat am Dienstag erneut Anspruch auf die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla erhoben. Marokko habe "das legitime Recht", von Spanien zu "verlangen", dass es "der Besetzung von Ceuta, Melilla und der benachbarten Inseln ein Ende bereitet", sagte Mohammed VI. nach einem Bericht der offiziellen Nachrichtenagentur MAP in einer Rede anlässlich des dritten Jahrestags seiner Inthronisation. Am Montag versuchten 200 Marokkaner bei einer anti-spanischen Kundgebung, auf das Gebiet von Melilla vorzudringen. Die spanische Polizei ließ den Grenzübergang vorübergehend schließen. König Mohammed VI. bekräftigte in Anspielung an die von Rabat okkupierte Westsahara, dass Marokko "nicht einmal auf einen Zoll" seines Territoriums verzichten werde. Jegliche "Partitionsthese" wies er kategorisch zurück. Dabei handle es sich nämlich um "Bedrohungen und das Risiko einer Balkanisierung der Region Maghreb und des ganzen afrikanischen Kontinents". Gegenüber Madrid drückte der marokkanische König in der Rede seine Bereitschaft aus, alle umstrittenen Fragen "im Rahmen einer vorausblickenden Vision und eines aufrichtigen Dialogs" zwischen den beiden Staaten behandeln zu wollen. Spanien solle "die Art der Beziehungen, die es mit Marokko herstellen will, klar definieren", wobei die "Anforderungen der Entwicklung in beiden Ländern und der vitalen Interessen in ihren Beziehungen in Gegenwart und Zukunft" miteinbezogen werden sollen. Der UNO-Sicherheitsrat debattiert derzeit über eine mögliche Lösung für den Westsahara-Konflikt. Wegen des Widerstands Marokkos ist das von der UNO geforderte Unabhängigkeitsreferendum in der ehemaligen spanischen Kolonie bisher gescheitert. Die USA konnten aber im Sicherheitsrat offenbar auch nicht einen weitreichenden Autonomieplan für die Westsahara innerhalb Marokkos, die von 80 Staaten anerkannt ist, durchsetzen. Spanien unterstützt die Westsahara-Befreiungsfront Polisario bei ihrer Forderung nach einem Referendum. Zwischen Madrid und Rabat herrscht auch wegen des Streits um die Mittelmeerinsel Perejil (Petersil) Eiszeit. Die von Marokko Leila genannte Insel war Anfang Juli von marokkanischen Soldaten und eine Woche später von spanischen Elitesoldaten zurückerobert worden. Erst vor einer Woche konnte der Streit auf Vermittlung der USA beigelegt werden. Wie am Dienstag bekannt wurde, protestiert Rabat nun auch gegen die spanische Militärpräsenz bei der auch in nordafrikanischer Küstennähe liegenden unbewohnten Insel Nador (Penon de Alhucemas).(APA/dpa)