Graz - Ein Baustopp, wie er vom Verwaltungsgerichtshof (VwGH) für die Koralmbahn auf der Kärntner Seite verfügt wurde, ist möglicherweise auch auf Abschnitten in der Steiermark möglich. Während Verkehrsreferent Leopold Schöggl (F) beruhigt, weil es sich bei den betroffenen Südbahn-Abschnitten südlich von Graz "eindeutig um internationale Fernverkehrsstrecken" handle, ist Umweltanwalt Alois Oswald anderer Meinung: "Die Koralmbahn ist als Einheit zu sehen und daher als Neubaustrecke zur Gänze einer UVP zu unterwerfen". Auf der Südbahnstrecke südlich von Graz, deren Verstärkung teilweise bereits begonnen wurde bzw. knapp vor Baubeginn steht, wurde - wie auf der Kärntner Strecke keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt. Der steirische Umweltanwalt Alois Oswald hat deshalb im März d.J. eine Säumnisbeschwerde beim Verwaltungsgerichtshof eingebracht. Der VwGH hat das Verkehrsministerium aufgefordert, zu klären, ob die Notwendigkeit einer UVP nach EU-Recht geprüft wurde oder nicht. Eine Entscheidung des VwGH wird bis Mitte August erwartet. Sollte doch ein UVP-Verfahren notwendig sein, wäre auch der eisenbahnrechtliche Bescheid für den Abschnitt Graz Hauptbahnhof - Puntigam mit Nichtigkeit bedroht. Ähnliches könnte auch im Abschnitt Feldkirchen südlich von Graz passieren, wo Bürger selbst Beschwerde beim Höchstgericht erhoben haben. Für die HL-AG verteidigt Projektleiter Klaus Schneider die Vorgangsweise: "Die Behörde hat die Frage der UVP-Pflicht in diesen Anschnitten ausführlich behandelt". Außerdem sei - auch im Sinne der Argumentation des politischen Referenten Schöggl - die Südbahn nach Marburg eindeutig eine Fernverkehrsstrecke und eigentlich erfolge ja nur der Bestandsausbau. In der Frage, ob es sich bei den Baumaßnahmen südlich von Graz bis zum Güterterminal Werndorf um einen Bestandsausbau oder um einen Neubau im Zuge der Koralmbahn handelt, scheiden sich aber die Geister. Umweltanwalt Oswald sieht in der nunmehr viergleisig genehmigten Trasse in und südlich von Graz eine neue Strecke, die im Sinne des "vorsorgenden Gesundheitsschutzes" einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen sei. Im UVP-Verfahren gelten u.a. andere Lärmgrenzwerte wie im eisenbahnrechtlichen Verfahren. Dass es dazu, ebenso wie in Kärnten, durch die Behebung des Bescheides zu einer Bauverzögerung kommt, glaubt Oswald nicht. "Ich sehe keine große Gefahr", glaubt Schneider nicht an eine Behebung auch in der Steiermark. Sehr wohl meint er allerdings, dass es im Falle einer UVP-Vorschreibung doch zu Auswirkungen auf den Zeitplan kommen wird. (APA)