Wien - Die "österreichische Stromlösung" von Verbund und den Landesversorgern von Nieder- und Oberösterreich sowie Wien und dem Burgenland dürfte von der Bundeswettbewerbsbehörde nur mit Auflagen genehmigt werden. Der Generaldirektor der seit Anfang Juli tätigen neuen Behörde, Walter Barfuß, gab am Dienstag im "Morgenjournal" des ORF-Radio zu verstehen, dass die geplante Austro-Stromehe nicht reibungslos über die Bühne gehen werde: "Selbstverständlich gibt es da Probleme. Es wird schwierig werden." Durch "geeignete Auflagen" oder "Vereinbarungen, die man verlangt", könnten jedoch bei der Austro-Lösung drohende "Druckstellen", die vorübergehend oder regional zu Tage treten könnten, vermieden werden, sagte der Wettbewerbshüter. Denkbar ist dem Radio-Bericht zufolge beispielsweise ein Diskriminierungsverbot, wonach auch kleine Versorger, die nicht dem Bündnis von Verbundgesellschaft und EnergieAllianz-Partnern angehören, den Strom zu gleichen Bedingungen erhalten. Handelsgesellschaft "Schwierig" werde es auch deshalb werden, da es im Energiebereich derzeit nicht nur um die Stromlösung, sondern auch um den Gasbereich gehe: Als ersten großen Zusammenschluss im Energiebereich prüft die Wettbewerbsbehörde wie berichtet die im Frühjahr verkündete Allianz des OMV-Gasbereichs mit den Gasgesellschaften der Bundesländer, die der EnergieAllianz angehören. Diese beiden Themenkreise, so Barfuß, seien "Dinge, die einander überlagern." An der geplanten gemeinsamen Gas-Vertriebsfirma für Industrie- und Großgewerbekunden sollen OMV einerseits und EVN, Wiengas, Oberösterreichische Ferngas, Linz AG und Begas andererseits wie berichtet je 50 Prozent halten. Die Austro-Stromlösung von Verbund, Energie AG Oberösterreich, EVN, Wiener Stadtwerke, Bewag/Begas und Linz AG hat ihren Kartellantrag, der auch nach Brüssel gehen soll, noch nicht eingereicht. Kern der Strom-Ehe sind eine gemeinsame Handelsgesellschaft unter Führung des Verbund sowie eine gemeinsame Großkundengesellschaft, die von der EnergieAllianz dominiert wird. Mineralölsektor im Visier Auch der heimische Mineralölsektor könnte nach den Worten von Barfuß künftig ins Visier der neuen Behörde kommen: "Ich schließe ganz und gar nicht aus, dass sich die Wettbewerbsbehörde einmal näher dafür interessieren wird." Doch gebe es "auch in anderen Branchen merkwürdige gleichzeitige Preiserhöhungen", bei denen man die Frage stellen müsse, "wie sind diese gleichzeitigen Erhöhungen der Preise zustande gekommen". Generell ortet Barfuß einen Mangel an "Wettbewerbskultur" in Österreich, etwa auch bei kleineren Unternehmen wie Tischler oder Schlosser, aber auch bei Brauereien: "Man findet gar nichts daran, dass man sich ausmacht, wer den Markt bearbeitet - einmal der Gigl, einmal der Gogl". (APA)