Washington - Das Wachstumstempo der US-Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal vor allem wegen nachlassender Kauflust der Verbraucher überraschend stark abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA stieg nach Angaben des Handelsministeriums von Mittwoch zum Vorquartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,1 Prozent, während Analysten mit einer doppelt so hohen Rate - nämlich 2,2 Prozent - gerechnet hatten. Angesichts der enttäuschenden Daten dürfte die Stärke der gegenwärtigen Erholung erneut in Frage gestellt werden. Die Gefahr einer neuerlichen Rezession ist für die weltgrößte Volkswirtschaft Analysten zufolge aber gering. Für die ersten drei Monate revidierte das Ministerium das Wachstum auf 5,0 Prozent von zuvor 6,1 Prozent kräftig nach unten. Der US-Notenbank (Fed) zeigen die Daten nach Einschätzung von Volkswirten, dass sie sich mit Leitzinserhöhungen Zeit lassen sollte. Die US-Börsen eröffneten nach den Daten mit leichten Kursverlusten, die übrigen Finanzmärkte reagierten kaum. Geringere Kaufbereitschaft Für die überraschend starke Wachstumsabschwächung machten Analysten vor allem die geringere Kaufbereitschaft der Konsumenten verantwortlich. Die Verbraucherausgaben, die rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen, legten im zweiten Vierteljahr um annualisiert 1,9 Prozent zu nach plus 3,1 Prozent im ersten Quartal. Die jüngsten Bilanzskandale in den USA hatten die Aktienmärkte zuletzt stark belastet und zu einer Vertrauenskrise bei Anlegern und Verbrauchern geführt. "Wir brauchen zudem dringend eine Belebung am Arbeitsmarkt, um das Vertrauen und damit auch die Ausgaben der Konsumenten wieder anzukurbeln", sagte Sal Guatieri, Volkswirt von der Bank of Montreal/Harris Bank. Am Freitag stehen die Arbeitsmarktdaten für Juli an. Experten erwarten eine zum Vormonat unveränderte Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent. Für das vierte Quartal des vergangenen Jahres meldete die US-Regierung einen BIP-Zuwachs von 2,7 Prozent, während zuvor ein Plus von 1,7 Prozent genannt worden war. Für das Gesamtjahr 2001 ergab sich daraus ein revidiertes US-BIP von plus 0,3 Prozent, zuvor waren die USA für 2001 von 1,2 Prozent Wirtschaftswachstum ausgegangen. Rezession 2001 Die revidierten Daten für 2001 zeigen, dass die US-Wirtschaft in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres geschrumpft ist. Bisher war nur für das dritte Vierteljahr von einem negativen Wachstum ausgegangen worden. Von einer Rezession sprechen Volkswirte üblicherweise bereits bei zwei aufeinander folgenden Quartalen mit rückläufigem BIP. Für ein erneutes Abgleiten in eine Rezession sehen Analysten aber nur eine geringe Wahrscheinlichkeit. "Die Chance dafür stehen höchstens Eins zu Vier", sagte Mark Vitner von Wachovia Securities in Charlotte. Allerdings sei der Rückgang der Endnachfrage von Verbrauchern und Unternehmen im zweiten Quartal um 0,1 Prozent ein Grund zur Besorgnis. Dies zeige, dass die Wirtschaft im Frühjahr praktisch stagniert sei. Mit Blick auf die US-Notenbank Fed stehe daher fest: "Sie wird wohl nicht vor März 2003 die Leitzinsen anheben." Die meisten Analysten gehen mittlerweile nicht mehr davon aus, dass die Fed noch in diesem Jahr den Schlüsselzins von derzeit 1,75 Prozent erhöhen wird. (APA/Reuters)