Wien - Bei Österreichs größtem Schottergrubenbetreiber, der Kies-Union, proben die Streubesitz-Aktionäre nun den Aufstand. Ende vergangener Woche flatterten zwei Klagen der Streubesitz-Aktionäre der Kies-Union auf den Tisch des Landesgerichtes Wiener Neustadt. Der Vorwurf: massive Verstöße gegen das Aktiengesetz. Ziel: die Nichtigkeitserklärung der Hauptversammlung (HV). Gehen die Klagen durch, müsste die HV noch mal stattfinden. So hat die Unternehmensführung laut Kleinaktionären wiederholt gegen die Informationspflicht verstoßen. Ein Aktionär aus Frankfurt hat sogar eine Anzeige im Börsenkurier geschaltet, in dem er sich über die Ungleichbehandlung der Aktionäre aufregt. Die für ihn zuständige Rechtsanwältin Maria Brandstetter: "Da entsteht der Eindruck, dass die Kleinaktionäre einfach nur lästig sind." Dazu wollen sich die klagenden Aktionäre, die nach eigenen Angaben die Mehrheit des zehnprozentigen Streubesitzes stellen, nicht degradieren lassen. Rupert-Heinrich Staller, Koordinator der Meinl-Klage und Aktionär, zitiert nur einen Punkt aus der Klage, die Georg Vetter eingebracht hat: "Der Vorstand hat in der Hauptversammlung zugegeben, Weisungen des Aufsichtsrates zu befolgen. Weisungen des Aufsichtsrates an den Vorstand verstoßen gegen die Grundstruktur der Aktiengesellschaft." Aushungern Ein weiterer gewichtiger Grund für den Aufstand der Aktionäre: Seit dem Einstieg der britischen Readymix (RMC) haben sie viel Geld verloren. Zudem ließ die arg geschüttelte Baukonjunktur den Kurs der Kies-Union innerhalb eines Jahres nur noch halb so hoch werden. Derzeit liegt er bei 38 Euro je Aktie. Anlegerschützer Wilhelm Rasinger sagt: "Man wollte die Aktionäre so lange aushungern, bis man Anteile von 90 Prozent hält, um dann die Streubesitz- Aktionäre zu entfernen." Aber die Klägergruppe um Staller gibt sich kämpferisch: "Wir werden nicht unter 130 Euro je Aktie aussteigen. Denn das ist die Untergrenze des Substanzwertes des Unternehmens." Wolfgang Schuster, Vorstandsvorsitzender der Kies-Union, sagt: "Mir ist nichts bekannt, dass RMC in Österreich verkaufen will." Und er kontert: "Wir haben gegen kein Gesetz verstoßen. Da gibt es nur eine Gruppe von Aktionären, die aus der Sache Kapital schlagen wollen." Fix ist: Nach der Klage in Wien will die Gruppe um Staller auch eine Beschwerde bei der Börsenaufsichtsbehörde FSA in London einlegen, da RMC Rechtsdifferenzen innerhalb der EU ausgenutzt und dabei Aktionäre geschädigt habe. Damals habe RMC zwar nach den Regeln des österreichischen Übernahmegesetzes agiert, jedoch habe der Konzern gegen die in der Londoner City üblichen Sitten in solchen Fällen verstoßen. (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 31.7.2002)