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Vogelhändler sind wir ja - und Clowns: Papagena (Martina Jankova) und Papageno (Simon Keenlyside)

Foto: APA/Barbara Gindl
Salzburg - Das goldene Händchen von Peter Ruzicka: Der üppige Kartenverkauf allein ist schon auffällig genug. Allein, dass auch DJ Ötzi der Versuchung erlag und Salzburg als Ticketkäufer die Ehre seiner blondbärtigen Anwesenheit zuteil werden ließ - dazu bedurfte es der Zauberflöten -Hilfe seines Vorgängers Gerard Mortier. Überhaupt ist der Polarisierungskünstler heuer immer noch mit den meisten Aufführungen einer Operninszenierung vertreten. Eine kleine Zahlenmusik: Seine Zauberflöte , die Regisseur und Bühnenbildner Achim Freyer für ihn einst in der Felsenreitschule zur Zirkusmanege des Staunens uminszeniert hat, wird bei diesen Salzburger Festspielen ganze elfmal gezeigt. Ruzickas Don Giovanni hingegen achtmal, gefolgt von der nahenden Turandot (siebenmal). Nicht zu reden von König Kandaules und Strauss' Liebe der Danae (fünfmal) und dem Mädchen mit den Schwefelhölzern (nur einmal), das Mortier indes gänzlich aus dem Programm gekippt hatte. Zweifellos aber macht es nicht nur kommerziellen Sinn, diese Zauberflöte aus dem Ideenmuseum des Vorgängers zu holen. Sie lebt, nach wie vor zeichnet sie mit den unter dem Sternenzelt auf der Kreisspielfläche tänzelnden Pointen und Fantasiefiguren bei den Anwesenden kindliche Lachfalten ins Antlitz. Bühnentechnisch durchaus anspruchsvoll, ist ihr die Pause nicht gut bekommen. Da wirkt sie noch ein wenig eingerostet, sollte aber noch in Schwung kommen. Wenig Hoffnung hegt man allerdings, dass sich auch im Vokalen noch Entscheidendes tut, um das Gebotene über das Niveau einer soliden Repertoirevorstellung an irgendeinem ehrenwerten Opernhaus dieser Welt zu heben. Vieles klingt da leider nach einer Zweitbesetzung des heurigen Giovanni , wodurch der Zauber flöten geht. Nicht einmal Barbara Bonney schafft es, ihre gewohnte Leichtigkeit des Lyrischen zu erreichen; sie klingt fast immer angestrengt. Solide Rainer Trost (als Tamino), ohne Strahlkraft Simon Keelyside (als Gleichgewichtskünstler Papageno). Diana Damrau (als Königin der Nacht) verfügt über dramatische Durchschlagskraft. Bei den Koloraturen allerdings ist sie frei von absoluter Intonationsexaktheit. Nur Alfred Reiner (als Sarastro) überzeugt. Auch die Wiener Philharmoniker sind diesmal nicht in der Lage, wirklich zu verzaubern. Ob sie nun vom Giovanni erschöpft waren oder von den laufenden Turandot- Proben - was etwa das Blech an wackeligen Momenten produzierte, gemahnte an eine dürftige Alltagsvorstellung an der Wiener Staatsoper. Dirigent Bertrand de Billy bemühte sich um flotte Akzente und volksnah hüpfenden Ton. In eine besondere Sphäre vermochte der Salzburg-Debütant und Chef des RSO Wien Mozart noch nicht zu heben. Natürlich: Noch trägt man halt die himmlischen Längen von Harnoncourts Giovanni in sich. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2002)