Uuuups! Sehr viel mehr an Kommentar als diese auf eine Sprechblase reduzierte Lautkombination war von Finanzminster Karl-Heinz Grasser substanziell nicht zu erfahren, als er zugeben musste, dass das zentrale Regierungsziel des Nulldefizits nicht erreicht werden wird.Mit seiner jugendlich lässigen Art treibt Grasser die österreichische Wirtschaft und mit ihr auch die Wirtschaftsdenker seines Koalitionspartners ÖVP aber langsam auf die Palme. Industrie und Wirtschaft wollten diese Wenderegierung - und unterstützten sie auch - mit der Auflage, dass am Ende des Weges eine deutliche Erleichterung für die Wirtschaftsbetriebe stehen müsse. Aber die angepeilte Senkung der Lohnnebenkosten dürfte sich jetzt samt Nulldefizit und den geplanten Steuerentlastungen für die Mittel- und Unterschicht langsam ins Nirwana der Wahlversprechen verflüchtigen. "Sorry", würde Grasser wohl bemerken. Die Regierung hat mit ihrer Budgetpolitik aber nicht nur mit den eigenen Versprechen zu kämpfen. Ein zentrales Dilemma schlummert auch im innerstaatlichen Stabilitätspakt. Dieses mühsam zustande gekommene Abkommen zwischen Bund und Ländern steht ebenso auf tönernen Beinen. Wenn sich der Bund nicht an den Pakt hält und mehr Defizit als geplant einfährt, müsste er Strafe zahlen. Freilich: woher nehmen? Zum anderen sind auch die Länder in einer prekären Situation. Ihre Budgettricks - etwa jener der Ausgliederung der Spitäler -, mit denen sie das Bundesdefizit abdecken sollten, dürften von der EU nicht akzeptiert werden. Die Budgetpolitik der Regierung steht offensichtlich vor dem Scheitern. Sie war Stückwerk, mühsam zusammengeflickt, nie aus einem Guss. Aber gut verkauft. Österreichisch formuliert: "Dampfplauderei". (DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2002)