Die Privatisierung des Österreichischen Bundesverlages (ÖBV) kommt langsam in die heiße Phase: Die Interessenten haben im Laufe des kommenden Monats ihre verbindlichen Angebote zu legen.Mit einer Entscheidung noch im August sei aber, so alle Beteiligten unisono, nicht zu rechnen. Denn nach wie vor können sich potenzielle Käufer melden, und frühestens im September würden mit einer "kleinen Gruppe" Verhandlungsgespräche geführt werden. Zudem sei gar nicht gesagt, dass Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FP) den Verlagskonzern auch wirklich veräußert: "Es ist ja keine Zwangsversteigerung." Faktum ist bloß die Absicht: Grasser beauftragte die Wirtschaftstreuhänder der KPMG Corporate Finance mit der Ausgliederung des ÖBV, der mit 53 Prozent an der öbv & hpt VerlagsgesmbH, dem Marktführer im heimischen Schulbuchsegment, beteiligt ist. Zudem besitzt der ÖBV Deuticke, Residenz und Christian Brandstätter. An sich soll die Gruppe en bloc veräußert werden. Doch die Bereitschaft, neben der Cashcow, eben dem Schulbuch, auch die wenig profitablen Publikumsverlage zu übernehmen, dürfte, auch wenn diese ohne Schulden übergeben werden, nicht allzu groß sein: Sollte sich keine zufrieden stellende Gesamtlösung anbieten, behält sich Grasser eine Filetierung vor. Zumal Kulturstaatssekretär Franz Morak (VP) nach Protest der IG Autoren darauf achtet, dass die "österreichischen Interessen" gewahrt bleiben. Für Morak sei "von Anfang an klar" gewesen, in den Gesprächen darauf Einfluss zu nehmen, "dass für jeden der drei Publikumsverlage der bestmögliche Eigentümer gefunden werden soll, der nach dem Prinzip der Mischkalkulation arbeitet, um auch weiterhin anspruchsvolle Projekte österreichischer Autoren zu verlegen, und über eine ausreichende Vertriebsstärke im deutschen Sprachraum verfügt". Auch müsse der Standort Österreich gesichert sein. Zum laufenden Verfahren will sich keiner - weder beim ÖBV noch bei der KPNG - zitierbar äußern. Bis dato sollen sich aber, was nicht in Abrede gestellt wird, rund zehn Interessenten gemeldet haben, darunter vier aus Österreich. Wiederholt genannt wurden die Schulbuchverlage Ernst Klett (Stuttgart), Westermann (Braunschweig) und der niederländische Fachverlag Wolters Kluwer (samt Manz und Bohmann). Eichborn in Frankfurt bekundete, wie berichtet, Interesse an den beiden Literaturverlagen Deuticke und Residenz. Zudem hat Hölder-Pichler-Tempsky, der 47 Prozent an öbv & hpt hält, ein Vorkaufsrecht auf die staatlichen Anteile. Wahrscheinlich ist daher, dass mehrere Interessenten gemeinsam anbieten - und die Verlage nach der Übernahme aufteilen. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2002)