Seoul - Das südkoreanische Parlament hat am Mittwoch gegen die Einsetzung der designierten Ministerpräsidentin Chang Sang gestimmt. 142 der 244 Abgeordneten lehnten die Ernennung der Universitätsrektorin ab, 100 stimmten für sie, wie Parlamentssprecher Park Kwan Yong in Seoul mitteilte. Er erklärte die Wahl für gescheitert. Die Opposition wirft der 63-jährigen Chang Immobilienspekulationen und "illoyales Verhalten" gegenüber ihrem Heimatland vor. Sie soll ihren 1973 in den USA geborenen Sohn ermutigt haben, die südkoreanische Staatsbürgerschaft aufzugeben, um dem Militärdienst zu entgehen. Außerdem soll Chang einen nicht erworbenen Doktortitel der Universität von Princeton vorgegeben haben. Tatsächlich machte sie dort einen normalen Abschluss in Theologie. Laut ihrem Büro handelt es sich um einen "Übersetzungsfehler" im Lebenslauf. Chang betonte, sie habe sich nichts vorzuwerfen. Die Ablehnung Changs gilt als schwerer Schlag für Präsident Kim Dae Jung. Er hatte die ehemalige Rektorin der elitären Frauenuniversität Ewha Mitte Juli bei einer Kabinettsumbildung als neue Regierungschefin vorgestellt. Sie war die erste Frau, die im traditionellen Südkorea für dieses Amt kandidieren durfte. Ein Oppositionsabgeordneter trat kurz vor der Parlamentsabstimmung zurück, nachdem er mit sexistischen Äußerungen Aufsehen erregt hatte. Er hatte gesagt, es sei "sehr beunruhigend", dass eine Frau Regierungschefin werden würde und Präsident Kim anscheinend nicht in der Lage sei, seine Pflichten zu erfüllen. (APA)