Ankara - Die Türkei will nach Angaben ihres Ministerpräsidenten Bülent Ecevit die USA von einem Angriff auf den Irak abbringen. In der Mittwochausgabe der Zeitung "Sabah" sagte Ecevit, wenn es eine Militäraktion gebe, werde die Türkei als nördliches Nachbarland des Irak davon betroffen sein, ob sie wolle oder nicht. "Daher versuchen wir die Regierung der Vereinigten Staaten davon abzuhalten", sagte Ecevit. Die US-Regierung hatte zuletzt immer wieder ihre Entschlossenheit betont, den irakischen Präsidenten Saddam Hussein stürzen zu wollen, dem sie Streben nach Massenvernichtungswaffen vorwirft. Für jede Militäraktion dazu ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Zusammenarbeit mit dem NATO-Mitglied Türkei als nördlichem Nachbarn des Irak nötig. Am Dienstag herrschte zwischen den USA und der Türkei reger diplomatischer Kontakt. Der US-Botschafter besuchte zwei Mal das Außenministerium in Ankara. Ecevit traf ebenfalls zwei Mal seinen Generalstabschef. Beide berieten später zudem mit dem Präsidenten Ahmet Necdet Sezer. Nach Angaben Ecevits wurden dabei regionale Fragen besprochen. In US-Medien hatte es unter Berufung auf hohe amerikanische Militärkreise geheißen, die USA planten ab Herbst einen Angriff auf den Irak. Nach Einschätzung der Zeitung "Radikal" erfolgten die Konsultationen als Reaktion auf US-Pläne zu einem Treffen mit irakischen Oppositionsführern. Darunter seien auch Anführer der kurdischen Gebiete im Nordirak, die seit dem Golfkrieg 1991 außerhalb der Kontrolle der Regierung in Bagdad steht und von der britischen und amerikanischen Luftwaffe von Stützpunkten in der Türkei aus geschützt wird. In der Türkei wird befürchtet, dass eine kurdische Verwaltung im Norden des Irak Separatisten unter den Kurden im Südosten der Türkei stärken könnte. Die USA hätten erklärt, niemals der Schaffung eines kurdischen Staates im Nordirak zuzulassen, sagte Ecevit. "Aber tatsächlich ist er entstanden." Dies habe der Türkei schwer geschadet. Wenn die USA so weitermachten, werde es der Türkei noch viel mehr schaden, sagte Ecevit weiter. Am Mittwoch sollte das türkische Parlament gegen den Willen Ecevits über vorgezogene Wahlen Anfang November abstimmen. Durch den Austritt von rund 60 Abgeordneten aus der linken Regierungspartei DSP hat Ecevits Regierungskoalition ihre absolute Mehrheit eingebüßt. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und der französische Präsident Jacques Chirac hatten sich bei einem Treffen in Schwerin am Dienstag dafür ausgesprochen, dass für einen US-Militärschlag gegen den Irak und eine Beteiligung daran ein UNO-Mandat die Voraussetzung wäre. Zugleich unterstrichen beide Politiker, dass der Irak die Forderung der UNO erfüllen müsse, die 1998 aus dem Land gewiesenen UNO-Waffeninspektoren wieder in das Land zu lassen. Der Irak bestreitet die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen.(APA/Reuters)