Rom - Tausende Menschen haben am Mittwochabend vor dem Senat in Rom lautstark gegen ein Justizgesetz protestiert, das einen Prozess gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi verzögern könnte. "Schande, Schande" riefen die Demonstranten, die vom international bekannten Regisseur Nanni Moretti ("Das Zimmer des Sohnes") angeführt wurden. Zuvor hatten die Parteien der regierenden Mitte-Rechts-Koalition gegen den heftigen Widerstand der Opposition durchgesetzt, dass der Senat am Donnerstag über das Gesetz abstimmen wird. Es sieht vor, dass ein Prozess verlegt werden kann, falls ein Angeklagter die Unvoreingenommenheit des Gerichtes anzweifelt. Gegen Berlusconi läuft in Mailand ein Prozess, in dem er der Bestechung eines Richters angeklagt ist. Seine Verteidiger haben wiederholt vergeblich beantragt, das Verfahren in das benachbarte Brescia zu verlegen. Dadurch würde Berlusconi wertvolle Zeit gewinnen. Das Gesetz muss auch von der Abgeordnetenkammer beschlossen werden, bevor es in Kraft treten kann. Wegen der am Wochenende beginnenden Sommerpause wird die zweite Abstimmung erst im September stattfinden können. Oppositionspolitiker haben die von den Regierungsparteien angestrebten neuen Bestimmungen als Verstoß gegen den Rechtsstaat bezeichnet. Bereits im Vorjahr hatte es heftige Proteste gegen ein Gesetz gegeben, das Bilanzfälschung nicht länger strafbar macht. Berlusconi war zuvor auch wegen Bilanzfälschung angeklagt worden. (APA/dpa)