Wien – Eigentlich sollte sie schon 1998 kommen. Dann frühestens 2000. Verschoben auf die zweite Hälfte 2002. Der Starttermin Mitte 2003 hält auch nicht. Derzeit kursiert 2004 als Starttermin für die Chipkarte, die den Krankenschein ablösen soll. Die Einführung der so genannten e-card ist eine Chronologie des Stolperns. Dass sie kommt, ist sicher, wann, noch nicht so genau. Im Hauptverband geht man davon aus, dass sie 2004 flächendeckend einsatzbereit sein soll. Der zuständige Geschäftsführer, Erich Nischelbitzer, sagt im STANDARD-Gespräch: "Wir haben da ein bisschen ein Problem." Zwar sei die für die Hardware zuständige Firma Orga im Plan, nicht so aber das für die Software verantwortliche Unternehmen EDS. "Die sind im Zeitverzug bei der Softwareprogrammierung und haben dafür bereits Strafpönale in Rechnung gestellt bekommen." Die genaue Höhe will Nischelbitzer nicht nennen, aber es seien "nicht unbeträchtliche Beträge". Wer die Gebühr für die Chipkarte einheben soll, hat die Regierung indes bereits in der 60. ASVG-Novelle festgelegt. Die Ärzte sollen die zehn Euro pro Jahr von den Patienten kassieren. Gegen diese Zusatzfunktion als Inkassobüro laufen die Mediziner Sturm. Ärztekammerpräsident Otto Pjeta deponierte am Mittwoch erneut ein striktes Nein zu diesem administrativen Handlangerdienst. Es drohe "Chaos in den Ordinationen". "Eine Buchungszeile" Viel besser und einfacher könnten doch die Unternehmer die Chipkartengebühr über die Lohnabrechnung mit den Sozialversicherungsbeiträgen an die Krankenkasse weiterleiten. "Das ist eine Buchungszeile mehr", so Pjeta. "Die Einhebung der Chipkartengebühr kommt für uns nicht infrage", winkt Reinhold Mitterlehner, Vizegeneralsekretär der Wirtschaftskammer im STANDARD-Gespräch ab. Die Gebühr müsse "von jemandem im System an der Schnittstelle Patient–Organisation eingehoben werden", nicht von der Wirtschaft. Wenn es Ärzte und Wirtschaft nicht machen wollen, dann machen wir es doch, dachten die Apotheker und boten sich als Inkassanten für die Chipkartengebühr an. Apothekerkammer-Präsident Helmut Cabana reagierte auf Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (FP), der zu Wochenbeginn von einer "informellen Zusage" gesprochen hatte und meinte, wenn alle Beteiligten im Gesundheitsbereich davon einen Nutzen hätten, würden die Apotheker das Inkasso vornehmen. Allerdings seien technische und organisatorische Fragen zu klären. Ärztechef Pjeta dazu trocken: "Wenn die wüssten, was sie sich damit aufhalsen ..." (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. August 2002)