Wien - Angesichts der wieder angeschwollenen Insolvenzwelle und somit "nicht schwacher" Forderungswertberichtigungen in den Banken regt nun der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Rene Alfons Haiden, beim Gesetzgeber an, im österreichischen Insolvenzrecht ein "richtiges Zeichen zur richtigen Zeit" zu setzen: Nämlich ein Gläubigerschutzverfahren nach dem Muster des Chapter 11 ("Kapitel 11") des US-Insolvenzrechts zu schaffen. Während eines solchen Verfahrens kann ein Unternehmen seine Geschäfte unter dem temporären Schutz des Gerichts vor den Gläubigern weiter führen, sich reorganisieren und sanieren. Das zahlungsunfähige Unternehmen behält also - mit richterlicher Aufsicht - die Kontrolle über das Geschäft, das Unternehmen wird nicht gleich zerschlagen, sondern kann erhalten bleiben und sich "im Glassturz" erfangen, ohne gleich von Gläubigerforderungen ruiniert zu werden, meint Haiden. "Wie bei der Ampel ..." So soll es auch "in Österreich zwischen Grün und Rot eine gelbe Phase geben", sagte Haiden im Gespräch mit der APA. Das in Österreich mögliche "Vorverfahren" hätte sich als Flop erwiesen. "Da wurden keine zehn Fälle abgewickelt." Und der gerichtliche Ausgleich ist für Haiden schon gar keine solche "Gelbphase". "Wenn der Ausgleich eingeleitet ist, dann rennt es schon." Sobald Lieferanten nur mehr gegen Cash lieferten, gehe es üblicherweise nur mehr bergab. In einem auf österreichische Verhältnisse adaptierten Gläubigerschutzverfahren a la Chapter 11 sollten sich für die Reorganisation eines in vorübergehenden Nöten befindlichen Unternehmens Juristen, Bankleute und Wirtschaftsprüfer zur Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit des Betriebs verbindlich arrangieren, so Haiden. Damit könnten nicht nur Milliardenverluste durch Firmenzusammenbrüche vermindert, sondern auch mehr Jobs gerettet werden. Es sei ja evident, dass die meisten Firmen wegen Managementfehlern Pleite gingen. Regeln für Transaktionen und Zulassungen Nach den Turbulenzen an den Börsen - zuletzt drastisch verschärft durch die Bilanzierungsskandale großer US-Konzerne - sei es jetzt auch an der Zeit, die Regeln für Transaktionen und Zulassungen an den Börsen zu überdenken, sagte Haiden. Im Grunde würden auch freiwillige Vereinbarungen (wie ein Corporate Governance Kodex) das am Kapitalmarkt so wesentliche Anlegervertrauen stärken helfen. Haiden meint, dass der Markt Fehlverhalten von Managern bestraft - also sehr wohl unterscheidet, wer sich an diese Wohlverhaltensregeln hält und wer nicht. Als extrem problematisch stuft er allerdings zugleich die herrschende Manier an den Börsen ein, "dass der Aktienkurs steigt, wenn ein Unternehmen tausend Stellen abbaut, aber sinkt, wenn jemand hundert neue Leute einstellt." Das sei "der Todesstoß für jede Wirtschaft", meint der sozialdemokratische Wirtschaftsfunktionär. (APA)