Lyon – Der litauische Radprofi Raimondas Rumsas, der die Tour de France als Dritter beendet hat und dessen Frau am Sonntag in Chamonix mit Dopingmitteln und Medikamenten im Auto erwischt worden war, wird sich der Polizei in Lyon stellen. Das gab sein Anwalt am Mittwoch bekannt. "Er will einige Dinge klarstellen, auch kann es nicht sein, dass seine Frau wie eine Geisel gehalten wird", erklärte Rumsas' rechtlicher Vertreter Pierre-Louis Piloix. Während Rumsas nach der Tour das Land in Richtung Italien verließ, wurde gegen seine Ehefrau Edita Rumsiene in Frankreich ein Ermittlungsverfahren eröffnet.

Gegenüber der spanischen Zeitung El Mundo hatte Rumsas gemeint, er habe die Tour in ehrlicher Manier bestritten. Zu den Anschuldigungen gegen seine Frau meinte er: "Sie hat noch nie etwas vor mir versteckt. Wenn es wahr ist, dass sie all das in ihrem Auto hatte, dann wird sie mir das erklären müssen, wenn sie wieder frei ist."

Rumsas verschollen?

Noch am Mittwoch wollte Rumsas nach Lyon fliegen, doch die Maschine hob ohne den Tourdritten ab. Anwalt Piloix steht selbst vor einem Rätsel. Er erklärte, er habe seit Mittwochmorgen nichts mehr von Rumsas gehört. "Ich mache mir Sorgen. Ich hoffe, Raimondas befolgt nicht einen anderen Rat, als den, den ich und mein italienischer Kollege ihm gegeben haben."

Piloix erklärte, er habe Rumsas zur Reise nach Lyon geraten, aber auch die Risiken der Rückkehr nach Frankreich erläutert. "Ich habe ihm gesagt, dass er das gleich Schicksal wie seine Frau erleiden und in Haft genommen werden könnte."

Doping-Tests negativ

Die Doping-Tests von Rumsas bei der Tour de France sind negativ ausgefallen. Dies verlautete am Mittwoch aus medizinischen Kreisen in Paris. Es seien keinerlei verdächtige Spuren von Testosteron oder von EPO in den Urinproben des in Doping-Verdacht geratenen Gesamt-Dritten der Frankreich-Rundfahrt gefunden worden. Die Analysen waren in einem nationalen Speziallabor südwestlich von Paris vorgenommen worden. Rumsas wurde am 22. Juli getestet, danach wurde er allerdings nicht mehr kontrolliert. (APA/Reuters)