In einem Münchner Traditionskino wird an diesem Donnerstag (1. August) die Neuordnung der deutschen Medienlandschaft eingeleitet. Bei der Gläubiger-Versammlung der insolventen KirchMedia werden 300 Teilnehmer erwartet. "Da sind von den Großbanken bis zum Schreibwarenhändler um die Ecke, der noch eine Rechnung offen hat, alle dabei", hieß es in Finanzkreisen. Mit konkreten Entscheidungen über den Verkauf des Kerngeschäfts der zusammengebrochenen KirchGruppe wird auch wegen der großen Runde nicht gerechnet. Der Kreis der Interessenten dürfte sich aber lichten. Die Plätze im traditionsreichen Arri-Kino sind dem Vernehmen nach bereits komplett an die zahlreichen Gläubiger vergeben. Ihnen wird Insolvenzverwalter Michael Jaffé einen Überblick über die aktuelle Lage der KirchMedia geben. Bis Mittwochabend konnten Finanzinvestoren und internationale Medienkonzerne zudem Gebote für die Gesellschaft mit ihrem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 und dem Film- und Sportrechtehandel beim Investmenthaus UBS Warburg abgeben. "Aber auch, wenn danach noch ein interessantes Angebot reinkommt, wird das sicherlich geprüft", hieß es in KirchMedia-Kreisen. Mehr als 50 Interessenten für Übernahme Mehr als 50 Medien- und Finanzfirmen hatten grundsätzliches Interesse an einer Übernahme der KirchMedia Interesse bekundet. Zu den ernsthaften möglichen Käufern gehören unter anderem ein Konsortium um die Verlage Springer und Bauer, der französische Fernsehsender TF1 und der US-Milliardär Halm Saban. Auch die Alt- Minderheitsgesellschafter um Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch erwägen laut Branchenkreisen eine Übernahme. Der Kaufpreis dürfte zwischen zwei und drei Milliarden Euro liegen. Auf diesem Weg könnten sich Investoren vergleichsweise günstig eine starke Position auf dem deutschen TV-Markt verschaffen. Bei den Gläubigerbanken geht man nicht davon aus, dass bei dem Treffen am Donnerstag schon endgültige Entscheidungen fallen. Bei einer Sitzung des Gläubigerausschusses am Montag seien noch keine konkreten Angebote diskutiert worden.."Der Donnerstag ist schon deshalb nicht der D-Day." Auf der Gläubigerversammlung könnte aber eine kleinere Anzahl von Interessenten in die nächste Runde kommen. "Die können dann einen genauen Blick in die Bücher werfen", heißt es bei einer anderen Gläubigerbank. Erst dann seien konkrete Angebote möglich. Ende August könne dann eine Entscheidung über den Verkauf fallen. Springer/Spiegel/Bauer/HVB-Deal zur Zeit aussichtsreich

Als realistische Variante wird derzeit eine Übernahme der KirchMedia durch Springer und Bauer gehandelt. Die beiden Verlage erhalten bei ihren Übernahmeplänen voraussichtlich Unterstützung vom Spiegel Verlag und von der HypoVereinsbank. "Es gibt Spekulationen, dass man aus politischen Motiven heraus das Springer-Konsortium bevorzugen könnte", heißt es in Finanzkreisen. Bei einer "deutschen Lösung" seien die wenigsten Schwierigkeiten zu erwarten.

Akuten Zeitdruck gibt es derzeit nach Einschätzung der Banken nicht. Der Überbrückungskredit, der KirchMedia zur Verfügung gestellt wurde, reiche noch einige Wochen. Zudem gehen die Gläubiger davon aus, im Falle der KirchMedia einen Großteil ihrer Kredite oder sogar ganz zurückzubekommen. "Hier gibt es ganz klar Assets, die man sehr gut verkaufen kann", hieß es in Finanzkreisen. Etwas anders sehe das schon bei der Formel 1 aus und noch einmal deutlich schwieriger bei der KirchPayTV. (APA/dpa)