Klagenfurt/Wien FPÖ-Obfrau Susanne Riess-Passer lehnt Kontakte mit rechtspopulistischen Gruppierungen wie dem belgischen Vlaams Blok weiterhin kategorisch ab. Internationale Kooperationen in Sachfragen habe es zwar schon immer gegeben: "Mit wem, das schauen wir uns genau an." Nach einem Gespräch mit Jörg Haider am Dienstagabend begab sie sich jedenfalls auf Tauchstation. Die FP-Granden in den Bundesländern gingen mehr oder weniger deutlich auf Distanz zu Riess-Passer. Sehr deutlich wird etwa der Tiroler FPÖ-Obmann Willi Tilg. "Ich bin grundsätzlich gegen jegliche Ausgrenzung von demokratisch gewählten Kräften, daher soll man auch mit den verschiedene Parteien offene Gespräche führen. Gerade die FPÖ hat am eigenen Leib verspürt, was es bedeutet, national wie international diffamiert und verleumdet zu werden", argumentierte Tilg im STANDARD-Gespräch. Auch der steirische FPÖ-Chef Leopold Schöggl plädiert für Gespräche mit Europas Rechtspopulisten. Schöggl: "Ich glaube, es ist in Zukunft sinnvoll, dass ein Gegengewicht zur Sozialistischen Internationale geschaffen wird. Man soll diese rechten Gruppen nicht vorschnell verurteilen, bevor man sich ihre Programme angeschaut hat." Niederösterreichs FP-Vizeklubchef Edwin Rambossek schließt sich Schöggl an: "Man darf niemanden ausgrenzen und muss mit allen reden." Deutlich auf Haider-Linie sind auch die Parteichefs von Salzburg, Karl Schnell, und Vorarlberg, Hubert Gorbach, eingeschwenkt. Gespräche müssten gestattet sein, stellten sich auch Schnell und Gorbach gegen Parteichefin Riess-Passer. Wobei Gorbach Haider als einen "ehemaligen Spitzenfunktionär" bezeichnete, was ihm ein Hintertürchen offen ließ. Schnell allerdings sprang Jörg Haider demonstrativ zur Hilfe: "Will man Haider in einen Käfig sperren und ihm nicht mehr erlauben, mit Politkern zu sprechen?" Haiders alte Drohung Haider selbst kündigte in News an, im nächsten Nationalratswahlkampf nicht mitmachen zu wollen - er sei nicht "der Klempner der FPÖ". Zuletzt hatte Haider im Jahr 1992 so reagiert; damals waren ihm die damalige FPÖ- Präsidentschaftskandidatin Heide Schmidt und der damalige Klubchef Norbert Gugerbauer zu weit von seiner Linie abgewichen. Gugerbauer musste gehen; Schmidt blieb bis auf weiteres, ließ Haider für sich wahlkämpfen und spaltete Monate später das Liberale Forum von der FPÖ ab. Haiders Drohung, keine tragende Rolle beim Wahlkampf zu spielen, hat bisher immer jene Funktionäre auf seine Seite gebracht, die ohne ihn nichts erreichen könnten. Karl Schweitzer, Haiders Lauftrainer und politischer Weggefährte, gehört offenbar nicht dazu: Er nimmt diese Ankündigung nicht allzu ernst. "Ich kenne Jörg aus der RFJ-Zeit. Wahlkampf ist sein tägliches Brot", zeigte sich Schweitzer überzeugt, dass Haider seine Ankündigung nicht wahr machen wird. Schweitzer behauptete, dass es keinen Machtkampf zwischen Haider und Riess-Passer gebe. "Denk- und Redeverbot" gebe es aber keines. Den Grünen ist das zu wenig: Sie fordern einen offiziellen Beschluss des FPÖ-Bundesparteivorstandes, dass es keine "Gemeinsamkeiten oder Kontakte mit dem Vlaams Blok" gebe. "Nicht förderlich" sei es für die österreichische Außenpolitik, "wenn der Anschein entstehen sollte, dass sich die Populisten in Österreich sameln", sagte Außenministerin Benita Ferrero-Waldner am Mittwoch in einer aus anderem Anlass abgehaltenen Pressekonferenz Nach derzeitigem Stand sei "eine gewisse Bedenklichkeit" gegeben. Aus dem Ausland sei allerdings noch niemand in der Angelegenheit auf sie zugekommen. (cs, jk, mue/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. August 2002)