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Foto: APA/Region Oberwart-Bad Tatzmansdorf
Burg Schlaining - Wie im Reiche der Bonobo-Affen tummeln sich auf dem Bild Eta d'Oro von Pauwel Franck die nackigen Liebespärchen. Purer Lustgewinn? Nicht nur, denn so wie auf Bartholomäus Sprangers Friedensallegorie "auch im Sinne von Frieden, der die Künste erblühen lässt", sagt Akademieprofessorin Elisabeth Samsonow, die in Zusammenarbeit mit Cathrin Pichler die Schau Frieden weltwärts konzipierte. Also eben keine ins Jenseits projizierte Himmels- oder Paradiesvorstellung, sondern "weltwärts". Schließlich feiert das auf Schlaining ansässige, in der Vergangenheit etwa in Ruanda oder im Kosovo vermittelnde Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung sein 20-jähriges Bestehen auch mit dieser Sonderausstellung. "Im Zeitalter der selbstgefälligen Postmoderne, deren planetarischer Rahmen weniger von der UNO, dieser feinen Erbin der Entwürfe zum Ewigen Frieden, als von der Welthandelsorganisation abgesteckt wird, ist der Krieg längst zur Ordnungsmacht geworden", schreiben Eric Alliez und Antonio Negri im Katalog. Daniel Libeskind baut ein Kriegsmuseum in Manchester, auf Burg Schlaining baut man auf den Frieden. Sei es ein friedlich-versöhnt sterbender Buddha, eine abstrakte blaue Licht-Tor-Situation des "Friedensmystikers" James Turrell, eine Klanginstallation des deutschen Künstlers Benedikt Schiefer oder die keineswegs vordergründigen, Tel Aviv und New York konterkarierenden Fotos des Ungarn Gyula Fodor: Sympathisch, dass die Schau zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst oszilliert, tendenziell freier assoziiert und nicht die zuweilen peinlichen Manifestationen zum Thema festhält. Birgit Jürgenssen steuert einen Peace Table bei, ein lebendig-aktionistisches Kunst- werk der in Tel Aviv lebende Tal Adler: Er fabriziert kein Kunstwerk, sondern gründete gleich eine friedensvolle Partei. Sie ist in Israel offiziell angemeldet, heißt Petteck (Wort für "Zettelchen") und ist u. a. unter www.petteck.org zu erreichen. Und, nicht unwesentlich zu wissen: Die Idee zur Ausstellung entstand bereits vor dem 11. September. (dok /DER STANDARD, Printausgabe, 1.8.2002)