In Urlaubsfragen verstehen die Deutschen keinen Spaß. Nicht wenn es um Kost oder Logis geht. Und schon gar nicht, wenn sich ein hoher Herr unredlich irgendwelche Bonusmeilen für Gratisflüge in die Toskana verschafft haben soll. "Wer hat Ihren Ferienflug bezahlt, Herr Trittin?", fragte die Bild-Zeitung den deutschen Umweltminister am Mittwoch. Ja, wer denn? Der Steuerzahler? Trittin selbst?Der Grüne konnte bisher nicht wirklich schlüssig erklären, ob er wie vom Bundestag verlangt dienstlich erworbene Freiflüge auch dienstlich verwendet hat. Ob er den Koffer, den er damit gekauft hat, dienstlich verwendet hat oder nicht. Damit ist der nicht eben fade deutsche Wahlkampf um eine Affäre reicher, die "Skandalkoalition" noch ein wenig mehr in Bedrängnis. Und damit ist - auch in Österreich - wieder einmal das Thema Politikerprivilegien auf dem Tapet. Die Regelungen für die Verwendung der Bonusmeilen sind in Deutschland eindeutiger als in Österreich. Nur dass dort niemand auch wirklich kontrolliert, was Politiker mit ihren Freiflügen wirklich machen. Hierzulande dagegen gilt das lauwarme Einverständnis, dass man ja zehn Prozent zuzahle und deswegen die Bonusmeilen - legitim - auch privat zu nutzen seien. Dass nun in der Präsidentschaftskanzlei des Parlamentes Hektik ausbricht und Heinz Fischer nach einer saubereren Lösung suchen lässt zeigt, dass in Sachen Steuergelder und Privilegien für Politiker zu den Miles eben auch ein gewisses More an Verantwortung und Akkuratesse gehört. In Deutschland könnte der Skandal die rot-grüne Koalition den Wahlsieg kosten. In Österreich sind solche schwerwiegende Folgen nicht zu befürchten. Dennoch: Eine Regelung wie sie Unternehmen, etwa Siemens, hat, wären eine gute Lösung: Dienstmeilen auf ein Dienstmeilenkonto für Dienstfreiflüge - das bringt zwar keine Gratismeilen, dafür aber auch nicht "more troubles". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. August 2002)