Wien – In Österreich gibt es rund 560.000 Menschen, die im Schnitt nur 3 bis 5 Monate des Jahres arbeiten, geht aus einer neue Studie der Arbeiterkammer (AK) hervor. Rechnet man Ferialpraktikanten, Karenzierungen oder junge Arbeitnehmer vor und nach Präsenzdienst – insgesamt rund 150.000 – heraus, bleiben noch rund 410.000, von denen unklar ist, womit sie den Rest der Zeit verbringen. Die meisten sind auch nicht arbeitslos gemeldet und scheinen auch in anderen Statistiken nicht auf.

Angesichts eines Anteils von fast 16 Prozent an den gesamten Beschäftigten – Tendenz: steigend – verlangt die Arbeiterkammer nun Maßnahmen um diese "stille Reserve" des Arbeitsmarkts zu mobilisieren, nicht zuletzt weil in den kommenden Jahren Arbeitskräfteknappheit droht.

Personenprofile unbekannt

"Wir wissen wenig über die Soziologie dieser Gruppe", so der Arbeitsmarktexperte der AK, Gernot Mitter. Etwas mehr als die Hälfte der "sonstigen Erwerbsgruppe", wie Studienautor Kai Biehl sie nennt, sind Frauen, bei denen das kurzfristige Auftauchen und Verschwinden auf bzw. aus dem Arbeitsmarkt mit Kinderbetreuung, aber auch rascher Reaktion auf Angebot und Nachfrage erklärt werden könnte. Auch über den Ausbildungsstand der Gruppe lasse sich wenig sagen, so Biehl. Man könne aber nicht generell von minderqualifizierten Menschen sprechen.

Eine mittelfristige Arbeitsmarktpolitik müsste laut Mitter diese "stille Reserve" stärker berücksichtigen. "Diese Menschen brauchen Angebote", so der Experte. Ansatzpunkte, um sie dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu bringen, könnten Qualifikationsmaßnahmen, vor allem aber die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein.

Personenbezogene Analyse

Die AK-Studie geht nicht von den üblichen Arbeitsmarktdaten aus, die auf Stichtagsangaben bzw. dem Jahresdurchschnitt dieser Erhebungen basieren, sondern analysiert diese Daten personenbezogen. Laut gängier Darstellung gab es in Österreich im Jahr 2000 3.064.459 unselbstständig Beschäftigte. Personenbezogen, also umgelegt auf die tatsächlichen Vorgänge am Arbeitsmarkt, waren jedoch 3.615.080 Menschen in dem Berichtsjahr in Arbeitsverhältnissen – wenn auch oft nur kurz.

2,5 Millionen der insgesamt 3,6 Millionen bzw. knapp 70 Prozent arbeiteten laut Biehl durchgehend, weitere 398.000 bzw. 11 Prozent rund zwei Drittel des Jahres. Im Vergleich zu 1988 – den ersten verfügbaren Vergleichsdaten – wuchs die Zahl der durchgehend Beschäftigten um 10,66 Prozent, die Gruppe der "überwiegend" Erwerbstätigen um 12,68 Prozent. Die stärkste Zunahme gab es allerdings bei der eingangs beschriebenen Gruppe der "sonstigen Erwerbstätigen": sie wuchs in den vergangenen 12 Jahren um 25,67 Prozent.

Instabile Arbeitsverhältnisse

Allein im Jahr 2000 entfielen von 47.225 zusätzlichen Beschäftigten 31.161 auf die Gruppe der "Sonstigen". Bei den Männern hat die Zahl der durchgehenden und überwiegenden Arbeitsverhältnisse laut Studie sogar abgenommen. "Langfristig zeigt sich eindeutig eine Verschiebung zu instabilen Arbeitsverhältnissen" erläutert Biehl. In einigen Branchen wie Fremdenverkehr bzw. Landwirtschaft sind solche Instabilen Beschäftigungsformen – saisonbedingt – besonders häufig zu finden und drücken auf die Beschäftigungsintensität (tatsächliche Beschäftigungstage durch 365). Biehl ortet aber auch eine Zunahme von flexiblen Arbeitsformen in Handel und Dienstleistungsberufen.

Die Öffnung des Arbeitsmarkt für mehr Saisonniers verstärkt diesen Trend noch weiter, kritisiert AK-Experte Mitter und fordert daher eine auf dauerhafte Integration abzielende Ausländerbeschäftigungspolitik. "Die Studie zeigt, dass gewisse Saisonale Spitzen durchaus auch aus dem vorhandenen Reserven gedeckt werden könnten und früher auch gedeckt wurden", betont auch Biehl. (APA)