Wien - "Dilettantisch", "Schnüffelaktion", "Ablenkungsmanöver": Die Ankündigung von Sozialminister Herbert Haupt, in den Krankenkassen auf "Priviliegiensuche" zu gehen, empört die SPÖ. Haupt solle nicht vom Skandal um seinen Parteifreund Reinhart Gaugg ablenken, sondern die "einträglichen Gesundheitsgeschäfte seines Staatssekretärs Reinhart Waneck anschauen", empfiehlt SP-Rechnungshofsprecher Günter Kräuter.Waneck sei "Gesundheitsunternehmer" und halte an drei Ordinationen Anteile. Die Gewinne dieser Unternehmen bestünden in erster Linie aus Zahlungen der Krankenversicherungsträger: "Das heißt, Waneck verschafft sich aus Krankenkassengeldern persönlichen Gewinn." Wanecks Büro weist dies kategorisch zurück: Der Staatssekretär habe seine Beteiligungen dem Unvereinbarkeitsausschuss und dem Rechnungshofausschuss gemeldet, der sie als "rechtlich einwandfrei" befunden hätte. Er bekomme auch kein Geld von der Krankenkasse. Die Obleute der Gebietskrankenkassen von Wien und Salzburg, Franz Bittner und Harald Seiss, werfen Haupt ebenfalls ein Ablenkungsmanöver vor. Dieser kontert, offenbar hätten manche Kassen "ein schlechtes Gewissen". Als Erste hat die Vorarlberger Gebietskrankenkasse, welche die Abschöpfung der Rücklagen finanziell gutgestellter zugunsten defizitärer Kassen scharf kritisiert hat, ihre Verträge offen gelegt. Von den 373 Mitarbeitern haben sieben Sonderverträge, darunter der Pressesprecher. Und der habe die Fachprüfung im Gegensatz zu Gaugg "selbstverständlich abgelegt". (DER STANDARD, Printausgabe, 3/4.8.2002)