Am 5. Juni 1981 gaben amerikanische Ärzte die Entdeckung einer neuen Krankheit bekannt: Aids. Seit diesem Datum wurden 22 Millionen Opfer gezählt. Im Jahr 2001 trugen 36 Millionen Menschen den HI-Virus in sich. 95 Prozent der Infizierten und 95 Prozent der Todesopfer entfallen auf die Entwicklungsländer. Die "internationale Gemeinschaft" reagierte verzögert auf ein Phänomen, das sich bald als die verheerendste Epidemie der Gegenwart erwies. Erst 1986 begann die WHO mit dem globalen Aids-Programm (GPA). Mit Jonathan Mann wurde die Leitung einem herausragenden Experten übergeben. Differenzen mit dem damaligen WHO-Generaldirektor Hiroshi Nakajima, der nur wenig Interesse an Aids zeigte, führten aber nach vier Jahren zu Manns Rücktritt. Angesichts der Unzulänglichkeiten von Nakajimas Amtsführung und auf Druck einiger Staaten wurde die Verantwortung für die Koordination des Kampfes gegen Aids 1996 der WHO entzogen und einer eigens gegründeten UN-Unterorganisation übertragen. Direktor von UN-Aids ist seither der Belgier Peter Piot. (Jean-Loup Motchane, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03./04.08.2002)