Betrifft: Thomas Prinzhorns Äußerung über "Hormone für Ausländer". Genauer: Seine entschuldigende Erklärung gegenüber Journalisten, man habe ihn falsch interpretiert, zumal die gesamte Haltung der FPÖ zur Ausländerfrage einzig von der Sorge geleitet sei, dass es in Österreich nicht "quasi zu einer Ghetto-Entwicklung kommt wie in Chicago" (ORF-Reihe "Im Journal zu Gast", 30. 10. 99)



Wilhelm Pellert

Nicht jede Prinzenrolle ist gut. Vor allem, wenn man fürchten muss, vom König betrogen zu werden und das Horn aufzuhaben. Und vor lauter Angst, eine auf den Kopf zu kriegen, steht man plötzlich mit beiden Füßen bis zu den Knien in Fetttöpfen.

Aber es ist gerade der ranzige Geruch, der derzeit in Döblinger Salons in Mode steht, seit man dort von "Schüssel Nr. 5" genug hat. Dankbarkeit ist keine politische Kategorie, und warum sollen fähige Leute in einer neuen Partei nicht zeigen dürfen, dass sie auch ohne die alte etwas sind. Bei Holzfäller-Achselschweiß werden Frauen schwach und nehmen sogar Reichtum in Kauf.

Jetzt fordern die Feinde und Neider Prinz Horn auf, sich zu entschuldigen, für etwas, das er gar nicht gesagt hat, und wenn er es doch gesagt hat, nicht so gesagt hat, und wenn er es doch so gesagt hat, nicht so gemeint hat, wie er es nicht gesagt hat. Und schon ist man auf glattem Parkett ausgerutscht und mitten drin im Sumpf: in Chicago.

Wir wissen, dass Amerika eine friedliebende Außenpolitik betreibt, sofort den Atomsperrvertrag unterzeichnet und die Todesstrafe abgeschafft hat und, das ist neu für uns, für die Ghettoisierung à la Chicago berüchtigt ist. Erst jetzt können wir die Bilder der schreienden italienischen Frauen mit ihren weinenden Babys, der sich tapfer, aber vergeblich selbstverteidigenden Chinesen, der in Wort und Schrift getrennt kämpfenden katholischen und protestantischen Iren richtig deuten: Sie alle wurden ghettoisiert. Chicago war unnachgiebig. Mit geballten Fäusten saßen wir vor den Fernsehern, und wir Österreicher, bekannt für Integration und Fremdenfreundlichkeit, mussten machtlos zusehen. Natürlich lässt sich das heutige jüdische Ghetto in Chicago nicht mit dem einstigen in Warschau vergleichen, das muss einmal gesagt werden. Aber wer eine Sightseeing-Tour (Arisierer zahlen die Hälfte!) durch das Ghetto macht (Aussteigen verboten!), sieht Heerscharen obdachloser Juden, Jüdinnen und jüdischer Kinder.

Seit Jahren wissen wir von einer österreichbewussten Partei, dass Chicago der Hort allen Verbrechens ist, endlich durchbricht Prinz Horn die Schweigemauer der Tabuisierung der Ghettos.

Welch ein Glück für unser Land, dass ein solch mutiger Denker eine so wichtige Position einnehmen kann, ohne einer Partei dafür verpflichtet oder dankbar sein zu müssen. Das spricht für uns Österreicher und gibt einer Million Wähler recht. Sie haben bekommen, wen sie verdienen.

Wilhelm Pellert lebt als Schriftsteller in Wien.